Trump: Ein verwässerndes Feindbild

Die Süddeutsche Zeitung is not amused. „Wie versprochen, so gebrochen“, titelte die SZ an diesem Donnerstag und meinte damit den, aktueller Titel, President-elect Donald Trump, der – dreist wie er ist – gegenüber der New York Times plötzlich versöhnliche Worte spricht.

Über Hillary Clinton, die er nun doch nicht ins Gefängnis werfen will, und gegenüber dem scheidenden US-Präsidenten Barack Obama, dem er sogar seinen „Respekt“ aussprach. Ein vermeintlicher „Rechtspopulist“, „Sexist“ und „Rassist“, der einem Schwarzen (!) Respekt zollt und seine am politischen Boden liegende Präsidentschafts-Konkurrentin nicht mehr treten will? Da geht ein Raunen durch das linke Establishment.

Aber für alle unter Verfolgungswahn leidenden Linken kommt es noch schlimmer: Viele sahen doch schon den Weltuntergang voraus. In Trump befürchteten sie einen Wahnsinnigen, der plötzlich oberste Stimme und Entscheider des noch immer mächtigsten Landes der Welt wird, der sein gesamtes Kabinett mit vollbusigen (blonden) Frauen besetzt, alle Migranten aus dem Land wirft, mit dem Ku Klux Klan kooperiert, den dritten, vierten und den fünften Weltkrieg anzettelt, sowas in der Art.

Dass sich Trump im Gespräch mit der New York Times nicht nur mit seinen politischen Gegnern versöhnt, sondern sich auch von der US-amerikanischen „alternativen Rechten“ („Alt-Right“) distanziert, die linke Journalisten in Deutschland – meines Erachtens nach fälschlicherweise – gerne mit der sogenannten „Neuen Rechten“ hierzulande vergleichen, passt da ebenfalls nicht ins Bild. Und auch nicht, dass Trump sich jetzt sogar aufgrund der Personalie Mitt Romney nicht mit den Demokraten, sondern mit „seinen“ Republikanern anlegt.

All das und noch mehr stellt die seit Wochen grölende, schnappatmende Linke vor ein Dilemma: das Feindbild Donald Trump verwässert. Und anstatt einzugestehen, ja, wir haben uns – wie schon bei den Prognosen zum Brexit und zur US-Wahl – mal wieder geirrt, dürfte der ein oder andere eher traurig darüber zu sein, dass Trump doch kein neuer Hitler, oder zumindest kein zweiter Kim Jong Un ist. Klar: Schließlich versucht man doch seit Monaten Zeitungen zu verkaufen, die die Welt in böse (rechts) und gut (links) aufteilen. Wie wir wissen: wenig erfolgreich.

Dass sich, während ich diese Zeilen schreibe, vor meinem inneren Auge ein Bild von einem völlig verzweifelten Giovanni di Lorenzo auftut, der einem verzweifelten, ja, völlig erschütterten Jakob Augstein in den Armen liegt, weil beide nicht mehr wissen, wie sie nun noch die Mär vom Wahnsinnigen im Weißen Haus verbreiten wollen, sei an dieser Stelle gerne erwähnt.

Dabei wäre es für jeden klugen Kopf absehbar gewesen, dass Trump sich nach seiner Wahl weniger – pardon – „populistisch“ äußert, um die Linke zu zitieren, als er es davor getan hat. Und auch, dass es absurd war und ist, zu glauben, dass alles, was im Wahlkampf unter höchster Anspannung hinausgeschrien wurde, auch unweigerlich so eintritt. Und auch, dass Trump ein kompletter Idiot wäre, der nicht zwischen sich als Person und dem Amt als Präsident unterscheiden könnte.

Kurzum: Im Wahlkampf ging es um ihn, Donald Trump, jetzt geht es um ihn, den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Trump ist jetzt nicht mehr Wahlkämpfer, sondern Staatsoberhaupt. Dazu gehören Kompromisse, versöhnliche Töne, überlegtes Reden und Handeln. Das weiß Trump.

Mit „Wie versprochen, so gebrochen“ hat der „neue“ Trump also nichts zu tun. Sondern mit der einfachen Feststellung, dass es eben Wahlkampf heißt und nicht Wahlgekuschel. Gerade in den USA, wo der politische Ton schon immer etwas rauer war, lieferten sich Trump und Clinton folgerichtig einen echten Kampf, nicht mit den Fäusten, sondern verbal. Der ist nun zu Ende.

Die USA – und auch das wollten viele Kommentatoren einfach nicht wahrhaben – war eben schon immer ein Land, das viel Wert auf Entertainment legt. Und dazu gehören auch immer raue Töne, bei Trump ebenso wie bei Hillary Clinton, die – von vielen Medien bewusst übersehen – während des Wahlkampfes und noch nie ein Kind von Traurigkeit war.

Und, seien wir mal ehrlich, wäre es nicht wunderbar, wenn es in der Politik auch hierzulande etwas mehr Entertainment und weniger Trauerspiel gäbe? Oder sagen wir mal so: Zumindest wäre etwas mehr Aggression im politischen Betrieb besser als sich in der Löffelchenstellung auf einen Bundespräsidenten zu einigen, wie es SPD und CDU jüngst mit Steinmeier getan haben.

Zugegeben: Ich hatte mich in den vergangenen Wochen auch immer mal wieder gewundert, warum ein Land wie die USA keine besseren, oder sagen wir, eher geeigneten Kandidaten finden als Clinton und Trump. Jetzt muss ich eingestehen: Wenigsten gab es dort zwei echte Kandidaten. Und über die durfte das Volk sogar abstimmen.

Dieser Beitrag ist außerdem auf der „Achse des Guten“ erschienen /  www.achgut.com

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