Warum Russlanddeutsche „umstritten“ wählen

Egal ob Grünen-Politiker, ausländischer Autor oder überzeugte Feministin: Wer der linken Willkommenskultur widerspricht, wird schnell zum Feind erklärt. Nun könnte es deshalb eine ganze Volksgruppe treffen: die Russlanddeutschen, weil viele von ihnen bei der Bundestagswahl für die AfD stimmen werden. Das bringt die Linken in Rage. 

Es hat schon einen gewissen Reiz, Menschen, die von sich behaupten, sie seien besonders tolerant und weltoffen, dabei zuzusehen wie tolerant und weltoffen sie wirklich sind, wenn die eigene Weltsicht von anderen nicht geteilt wird. Sehr gut funktioniert das, wenn man in Diskussionen auf Facebook mal eine Lanze für die AfD bricht oder die Reaktionen verfolgt, die Politiker wie Boris Palmer von den Grünen oder der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) auslösen, wenn sie unter anderem auf Probleme bei der Integration von hunderttausenden Menschen aus einem fremden Kulturkreis hinweisen.

Ein Weltbild auf dem Kopf

„Wasser predigen und Wein saufen“, das ist mein Vorwurf, den sich stramm Linke und Linksliberale gefallen lassen müssen, wenn sie auf ihnen unangenehme Äußerungen oder gar Fakten hysterisch reagieren, obwohl sie doch stets nach Sachlichkeit rufen. Oder das gleiche Klientel zu Mitteln der Diffamierung greift („Rassist“, „Islamophobie“, „Homophobie“), das sie bei anderen doch so gerne kritisiert. Eindrückliches Beispiel ist der Umgang mit Donald Trump, der sogar von angeblichen Qualitätsmedien wie SPIEGEL und stern als zweiter Hitler (jüngstes stern-Cover) oder Mitglied des Ku-Klux-Klans (SPIEGEL) illustriert wird. So weit, so offensichtlich bigott.

Weit anschaulicher und als Beobachter noch reizvoller anzusehen wird es allerdings, wenn Dinge geschehen, die in der Welt der stramm Linken und Linksliberalen knallharte Widersprüche auslösen, ja, ihr Weltbild geradezu auf den Kopf stellen: NGOs, die mit Schleppern kooperieren, homophobe Migranten, Deutschtürken in dritter oder vierter Generation, die Erdogan zujubeln oder eine lesbische AfD-Spizenkandidatin Alice Weidel. Muslime, die vor einer Islamisierung warnen, konservative Homosexuelle, die gegen die Ehe für Alle sind, Feminismus-Urgestein Alice Schwarzer, die lautstark auf importierten Sexismus hinweist oder auch ein Achille Demagbo, gebürtiger Schwarzafrikaner und Mitglied des Landesvorstands der AfD Schleswig-Holstein und Landesbeauftragter seiner Partei für Zuwanderungs- und Integrationspolitik. An dieser Stelle sei ein Portrait über Demagbo von Matthias Matussek, Ex-SPIEGEL-Redakteur und für die gesamte Linke heute Persona non grata, wärmstens empfohlen.

Was erlauben Russlanddeutsche?

Der Grund, warum ich diese Zeilen gerade jetzt in die Tasten haue, ist folgender: Zumeist entzündet sich die Wut der Linken an politischen Gruppen und Parteien (AfD, Pegida), an Blogs wie der Achse des Guten oder eben an Einzelpersonen, die aus Sicht der Linken „umstrittene“ bis „irgendwasfeindliche“ Meinungen vertreten. Eine offenkundige Ausnahme bildete da bisher nur die unsägliche Debatte über Dunkeldeutschland (vor allem im Osten) und Helldeutschland (vor allem im Westen), die an Peinlichkeit kaum zu überbieten war und in der allerlei Ressentiments gegen Menschen aus der Osthälfte der Bundesrepublik geschürt wurden.

Im Zuge der bevorstehenden Bundestagswahl könnte der Zorn der Linken nun sogar eine ganze Volksgruppe, die in Deutschland Minderheit ist, treffen: die Russlanddeutschen. Die tagesschau hat nämlich einen Beitrag veröffentlicht, der sich mit dem Wahlverhalten der in Deutschland lebenden Russlanddeutschen beschäftigt – und ich befürchte, dass dieser Beitrag hohe Wellen schlagen könnte. Auf Facebook angeteasert wurde er wie folgt: Die meisten Russlanddeutschen waren bislang Stammwähler der CDU. Doch seit der Flüchtlingskrise sympathisieren viele der gut 1,5 Millionen Wahlberechtigten mit der AfD. 

Wer den Beitrag aufmerksam verfolgt, erkennt relativ schnell, dass die sogenannte Flüchtlingskrise zwar durchaus eine Rolle beim veränderten Wahlverhalten spielt, es den darin zu Wort kommendenen Russlanddeutschen und AfD-Wählern (nicht alle wählen AfD, nur ein Teil) aber um etwas ganz anderes geht: den Linksruck der CDU einerseits und das Gefühl, dass ihre Anliegen im Gegensatz zu denen anderer Minderheiten für die aktuelle Bundesregierung nur eine geringe bis gar keine Rolle mehr spielt. Eine Wahl der AfD hat demnach – und das macht bei logischer Betrachtung durchaus Sinn – also insgesamt wohl weniger mit der AfD an sich zu tun, sondern mehr mit der Entwicklung der CDU unter Angela Merkel, gepaart mit dem weiterhin bestehenden Wunsch, seine Stimme einer konservativen Partei zu geben.

„Ein wahres Dreckspack…“

Dass viele Konservative enttäuscht sind von der Bundeskanzlerin ist nun wirklich keine Nachricht mehr. Dass aber auch konservative Wähler mit einem gewissen Migrationshintergrund AfD wählen, unter anderem aufgrund eines Mangels an Alternativen, bringt die politische Linke in Rage. Es kann nicht sein, was nicht sein darf, lautet die linke Devise – und diese Devise verteidigt man, wenn nötig, bis aufs Blut und weit über die Grenzen des Anstands hinaus. Zum Abschluss deshalb ein paar Auszüge aus den Facebook-Kommentaren unter dem Beitrag, verfasst von – nicht vergessen! – den „Guten“:

Tja, die haben die gelebte, traditionelle Ausländerfeindlichkeit aus Russland mitgebracht. Ob DDR oder UdSSR – wirklichen Internationalismus oder Multikulturalismus (Stichwort „Völkerfreundschaft“) hat man im „sozialistischen“ Ostblock nicht gelebt. – Ivaylo M.

Beachtlich. Vor vielen Jahren zu uns gekommen. Geld kassiert, sich nicht integrieren und dann über Flüchtlinge aufregen. Wenn es denen nicht passt Putin freut sich sicher über Heimkehrer. – Joachim D.

Warum muss man sich nur um sie kümmern? Leben seit 25 Jahren in Deutschland und nur weil sie den Arsch nicht mehr gepudert bekommen, wollen sie jetzt AfD wählen? Traurig einfach nur noch traurig. – Sebastian S.

Dieser AfD-Kandidat aus Kasachstan, hüstel hüstel, spricht wie ein kleines Kind in der Vorschule. – Ralf G.

Super, die AfD fängt bildungsferne Bauern (nein, es sind nicht Landwirte gemeint) und jene Bauern hetzen gegen Flüchtlinge obwohl sie selbst vor 20-30 Jahren auf unser Willkommen angewiesen waren. – Markus D.

Diese Spätheimkehrer, die vor 12 Generationen einen deutschen Rauhaardackel hatten, sollten schweigen. Sie sind im Schnitt offensichtlich zu ungebildet, um Zusammenhänge zu erfassen. – Bernd K.

Schon die zweite Generation dieser Russlanddeutschen sind zu einem sehr hohen Prozentsatz arbeitsscheu, beziehen ALG2, betreiben Prostitution und kleinkriminelle „Geschäfte“ (Drogen, Kfz-Diebstähle) und stürzen im rechtsradikalen Milieu ab! – Corinna G.

Jaja, die lieben Rucksackdoitschen…
Selbst nur Wirtschaftsflüchtlinge, denen mit ihrer gesamten Sippschaft das „Begrüßungsgeld“ in den Arsch geschoben wurde, womit sie sich in Neubaugebieten einnisten könnten, aber jetzt über real Hilfesuchende hetzen. Ein wahres Dreckspack, diese Rucksackdoitschen!!! – Chris Tian H.

 

Bildquelle: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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