Gedanken zum Tage: Religion

Kaum verwunderlich, wäre das einzig zu Besprechende am Mittagstisch heute Fußball gewesen, respektive die glanzlose Darbietung der Nationalmannschaft am gestrigen Mittwoch. Doch um das runde Leder ging es nicht. Viel mehr kamen wir auf die echte Religion zu sprechen, auf Katholiken und Protestanten, auf den Glauben, die Heirat und die Wahl des Nachnamens (der Frau), auf die Taufe und den Ablasshandel, auf Martin Luther und die Kirche als wirtschaftendes Unternehmen. Da saßen also zusammen: ein Protestant, ein Katholik, ein ausgetretener Katholik und ein Atheist per Geburt. Dennoch einigten wir uns auf einen Kompromiss. Falls es ihn gibt, den lieben Gott, wird er – seiner Allwissenheit geschuldet – den Menschen immer nur nach seinem Menschsein beurteilen können, nie nach seinem Christsein. Sehr versöhnlich, wie ich finde.

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5 Antworten auf „Gedanken zum Tage: Religion

  1. Ist aber ein bisschen wie wenn ich mich mit fünf Leuten, die alle noch nie einen Elefanten gesehen habe, darauf einige, dass er sicherlich eine lustig rosagepunktete Haut hat und nach Lavendel duftet.
    Versöhnlich, vielleicht. Aber den realen Elefanten ziemlich egal.

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    1. Die Formulierung „Ist aber ein bisschen wie“ ist bekanntlich der Beginn eines Vergleichs, der bei näherer Betrachtung nur mit sehr viel Wohlwollen „aber doch ein bisschen“ stimmig ist. Aber gerne antworte ich Ihnen darauf: Das Ziel solcher Gespräche ist bekanntlich nicht, die Wahrheit herauszufinden. Maximal nah an die Wahrheit (und dennoch wohl sehr weit entfernt) gelangt man aber vielleicht, wenn man die verschiedenen Perspektiven zusammenführt und im Gespräch versucht, herauszufinden, was unter den Beteiligten minimaler Konsens ist. Dass uns das der Antwort, ob es einen Gott gibt, kein bisschen näher bringt: geschenkt. Allerdings ist die Argumentation (und der daraus entstandene Konsens) stimmig, auch ohne die absolute Wahrheit zu kennen. Wenn Gott „allwissend“ ist, was durchaus die Grundvoraussetzung für seine Existenz sein könnte, wäre er wohl kaum so naiv, den Menschen einzig nach der Zahl seiner Kirchgänge, seiner Bußen und Beichten und Ablässe zu beurteilen, sondern danach, ob der Mensch ein guter oder schlechter Mensch war beziehungsweise ist. Anders formuliert: Wenn Sie jeden Sonntag in die Kirche gehen, von Montag bis Samstag aber schwer damit beschäftigt sind, ihre Frau zu prügeln, könnte ihre Chance, ins Paradies zu gelangen, spürbar sinken. Rein hypothetisch, versteht sich.

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      1. Ihr Vergleich ist deshalb nicht stimmig, weil es sich bei der von mir benannten These nicht um irgendeinen Schuss ins Blaue handelt, sondern um einen „Was wäre wenn“-Zusammenhang: Wenn es einen Gott gibt und dieser allwissend wäre, dann wäre er wohl kaum erpressbar, weshalb er den Mensch nicht nach einer einzigen Facette (Christsein), sondern nach allen Facetten (Menschsein) beurteilen müsste. Es geht nicht um die Frage, ob es einen Gott gibt, sondern darum, wie sich ein allwissender Gott wohl am ehesten verhalten würde. Und wir waren uns einig: Wenn es einen allwissenden Gott gibt (rein hypothetisch), dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass er nicht erpressbar ist, dass er also den Menschen immer in seiner Gesamtheit beurteilt. Dieser Konsens bezieht sich also auf den Aspekt „Allwissenheit“.

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  2. Genau deshalb kommt mir mein Vergleich so passend vor. Da geht es ja auch nicht darum, ob es Elefanten gibt, sondern darum, dass sich alle einig sind, dass sie rosa Punkte haben.
    Mit anderen Worten: Ich finde diesen Schluss
    „Wenn es einen Gott gibt und dieser allwissend wäre, dann wäre er wohl kaum erpressbar, weshalb er den Mensch nicht nach einer einzigen Facette (Christsein), sondern nach allen Facetten (Menschsein) beurteilen müsste. Es geht nicht um die Frage, ob es einen Gott gibt, sondern darum, wie sich ein allwissender Gott wohl am ehesten verhalten würde.“
    kein bisschen schlüssig.
    Woher soll das kommen? Was spricht denn dagegen, dass ein allwissender Gott Menschen nur danach beurteilt, ob sie das Opfer Jesu Christi annehmen, oder danach, ob sie gerne Jenga spielen, oder danach, ob sie immer die Grünen wählen?

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