Attentat in Pittsburgh: Die konstruierte Mitschuld Donald Trumps

Es gehört zu den Absurditäten dieser politisch aufgeheizten Tage, dass Donald Trump eine Mitschuld an dem judenfeindlichen Attentat in der Lebensbaum-Synagoge in Pittsburgh gegeben wird. Ausgerechnet Trump, der Jerusalem trotz aller (teils antisemitischen) Widerstände als Hauptstadt Israels anerkannte und die US-Botschaft dorthin verlegte. Ausgerechnet Trump, der in der jüdischen Community gut vernetzt ist und dessen Schwiegersohn Jared Kushner Jude ist, weshalb auch Trumps Tochter Ivanka zum Judentum konvertierte. Ausgerechnet Trump, der sich über viele jüdische Unterstützer in seinen Reihen freuen darf, darunter etwa der prominente Chefredakteur des Daily Wire Ben Shapiro, der als so etwas wie der debattierende Maradona der Konservativen und Libertären keine Diskussion mit den – wie sie in den USA spöttisch genannt werden – „Social Justice Warriors“ scheut (Shapiro sei an dieser Stelle wärmstens empfohlen).

Es passt ins Bild. Wenn Böses geschieht, wird schon Böses dahinterstecken, das klingt irgendwie logisch. Und für zahlreiche Journalisten und Aktivisten, in den USA ebenso wie hierzulande gibt es aktuell bekanntlich kaum Schlimmeres als Donald Trump, diesen „durchgeknallten Soap-Star und zweifelhaften Casino-Besitzer“, der in seinen Reden an Hitler erinnere, wie es der ehemalige SPD-Politiker und DIE ZEIT-Herausgeber Michael Naumann jüngst in einem Interview mit dem Deutschlandfunk formulierte (Wen Naumann als den „Böseren“ von beiden identifiziert – also Trump oder Hitler – wurde nicht ganz deutlich).

Ähnlich klingen dann auch die Vorwürfe, die von demokratischen Politikern, rund 1500 Demonstranten in Pittsburgh und der jüdischen Organisation „Bend the Arc“ in einem offenen Brief mit 30.000 Unterzeichnern erhoben werden: Trump erzeuge durch seine „Hassrede“ ein Klima, in dem derlei Attentate gedeihen. In der Folge hieße das freilig, dass es ohne Trump gar keinen Antisemitismus gäbe, mindestens aber keinen, der Gewaltausbrüche wie jenen in Pittsburgh zur Folge hätte, was offenkundiger Blödsinn ist.

Kurzum: Donald Trump ist – nach dem Täter selbst – eben nicht der zweitentscheidende Protagonist des Attentats von Pittsburgh. Das zeigt schon seine klar pro-israelische Haltung und sein klares Bekenntnis zum Judentum und der jüdischen Community in den USA. Vielmehr dürfte gerade er zu den größten und prominentesten Gegnern antisemitischer Überzeugungen und Ausfällen in den USA gezählt werden. Das zeigt aber auch die hanebüchene Argumentation seiner Kritiker, die sich nicht scheuen, das Attentat für ihre Trumpkritik in Dauerschleife zu nutzen und dafür Trumps harte Rhetorik mit dem Massaker eines irren Rechtsradikalen in Verbindung zu bringen. Dieses Vorgehen nennt man bekanntermaßen politische Instrumentalisierung.

Dass die Vorwürfe gegen Trump im Zusammenhang mit Pittsburgh konstruiert sind, beweist aber auch – und hier wird das Ganze nun überdeutlich – der Attentäter selbst. Der hat sich laut US-amerikanischen Ermittlungsbehörden in rechtsradikalen Foren und im Kurznachrichtendienst „Gab“ (eine Alternative zu Twitter) beklagt, dass Trump zu judenfreundlich sei. Demnach sei Trump, so schrieb der spätere Attentäter, „kein Nationalist, sondern ein Globalist“, der mit der „jüdischen Infiltration“ unter einer Decke stecke. Daher habe er ihn auch nicht gewählt.

Verwundert darf angesichts all dieser Offensichtlichkeiten zur Kenntnis genommen werden, was Trump im Zusammenhang mit dem Attentat in Pittsburgh vorgeworfen wird. Eine Vermutung, die in anderen Zusammenhängen äußerst populär scheint, ist im Anti-Trump-Lager derweil übrigens weniger en vogue – weder beim Attentat in Pittsburgh, noch zuvor bei den an prominente Trump-Kritiker verschickten Briefbomben: dass die Attentäter psychische Probleme gehabt haben könnten. Derlei Spekulationen scheinen für anderes reserviert.

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