Deutschland, deine Helden

In den sozialen Medien wird bekanntlich einiges an Unsinn geschrieben und behauptet. Da verwundert es nicht, dass auch im Zusammenhang mit den Vorkommnissen in Chemnitz auf allerlei Unsinn stößt, wer auf Twitter aktiv ist. Aber auch der Unsinn – das zeigt sich immer wieder auf’s Neue – kennt Steigerungsformen und Abstufungen, quasi erträglichen und unerträglichen Unsinn.

Erträglicher Unsinn ist zum Beispiel der Tweet einer mit immerhin 44.000 Followern gesegneten Autorin und Bloggerin zum Thema: „Ich sitze an einem Lagerfeuer in Polen. Warum ich dauernd auf mein Handy gucken würde, werde ich gefragt. Ich zucke die Achseln. „tinder“, murmle ich. Ich schäme mich so sehr. So sehr.“ Dass es bei so viel Pathos vordergründig um Effekthascherei und ein bisschen Applaus in den sozialen Netzwerken geht, liegt auf der Hand. Wenn die gute Frau – und so viel Sportsmann bin ich – aber glaubt, sie müsse die Last der Welt zumindest digital auf ihren Schultern tragen, möge sie dies gerne tun. Zweifellos ölt sie mit ihrem Betroffenheitsgesäusel die Marketingmaschinerie. Und die Frau will schließlich Bücher verkaufen. Continue reading „Deutschland, deine Helden“

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Chemnitzer Ursachenforschung

Im Zusammenhang mit dem Aufmarsch rechter Fußballfans und Sympathisanten in Chemnitz geistert durch die sozialen Medien ein Vorwurf, der bald auch von den linksgrünen Medien übernommen werden dürfte: Die Jagdszenen und das nationalistische Geplärre in Chemnitz, so heißt es, seien direkte Folgen von Hass und Hetze. Einer mit über 30.000 Followern twittert zum Beispiel: „Keiner kann mehr wegschauen, wir alle müssen lauter werden! Hört bitte auf, über ‚besorgte Bürger‘ oder ‚Protestwähler’ zu reden und zu schreiben.“ Auch die für ihre messerscharfen Analysen bekannte Sawsan Chebli hält mit ihrer ganz eigenen Sicht auf die Dinge mal wieder nicht hinterm Berg: „Rechte werden immer stärker, immer lauter, aggressiver, immer radikaler, immer selbstbewusster, sie werden immer mehr. Wir sind mehr (noch), aber zu still, zu bequem, zu gespalten, zu unorganisiert, zu zaghaft. Wir sind zu wenig radikal.“ Continue reading „Chemnitzer Ursachenforschung“

Sachsen macht irre

Der aktuelle Aufschrei um ein ZDF-Fernsehteam und einen Pegida-Anhänger, der in bisher unbekannter Position für das Landeskriminalamt tätig ist, offenbart einmal mehr die Scheinheiligkeit der einschlägigen Medien und Politik im Kampf gegen angebliche rechte Umtriebe. Nicht nur, dass dem Pegida-Anhänger – meines Erachtens nach und trotz seines unhöflichen Auftretens – zu Unrecht unterstellt wird, er habe das Fernsehteam „verbal angegriffen“, wie es unter anderem der „Stern“ und das „ZDF“ behaupten. Auch das Gebaren der direkt und indirekt beteiligten Journalisten in Kombination mit (dem im Kampf gegen Rechts allzu beliebten) Geltungsdrang bestimmter Politiker zeigt eindrücklich, wie es um Demokratie und freie Meinungsäußerung in Deutschland bestellt ist: nicht gut.  Continue reading „Sachsen macht irre“

Trump und die stillenden Mütter

Von Donald Trump ist man mittlerweile einiges gewohnt, aber als mir folgender Artikel auf Facebook begegnete, schrillten bei mir die Fake-News-Alarmsirenen dennoch so laut wie das grellste Martinshorn in der engsten Gasse am Hindukusch. „SKANDAL: Trump kämpft gegen natürliches Stillen“ war da zu lesen. Normalerweise klicke ich Beiträge, die sich mit Trump beschäftigen und mit derart geifernden Überschriften auffallen, gar nicht (mehr) an, also Artikel auf Spiegel Online zum Beispiel. Aber die Kombination stillende Frauen und Donald Trump war dann doch zu reizvoll. Und während sich mein Finger sanft, aber bestimmt auf die linke Maustaste legte, fragte ich mich zum Thema Stillen, ob Melania Trump eigentlich…; anderes Thema.

Kurz darauf fand ich mich auf einer – sagen wir – Webseite mit dem gleichermaßen nichts- wie vielsagenden Titel „Love this look“ (Motto: „Die neue Lifestyle-Community für starke Frauen“) wieder. Wie sich herausstellen sollte glücklicherweise, denn sonst wäre mir das folgende Beispiel, das sehr eingängig illustriert, wie die Berichterstattung über Trump funktioniert, nie untergekommen. Ein Beispiel, das so wunderbar platt ist, dass es sich gar als Anschauungsmaterial für die grünsten Anti-TrumpInnen dieses Landes in einer Diskussion über Fairness in der Berichterstattung über den US-Präsidenten eignen könnte. Sozusagen als dumm-dämliche Blaupause für das, was wir in deutschen Qualitätsmedien regelmäßig lesen, sehen und hören müssen. Continue reading „Trump und die stillenden Mütter“

Zurück auf Augenhöhe

Politische Realität ist keine Wahrheit. Sie ist das Resultat einer ganzen Reihe von Interpretations- und Erfahrungsmustern, von Überzeugung und Misstrauen, Zustimmung und Ablehnung. Die politische Realität des einen kann daher völlig konträr zu der des anderen sein. Besonders eindrücklich zeigt sich das an der aktuellen Migrationsdebatte.
Wo beginnt Rassismus? Wieviel Zuwanderung ist zu viel Zuwanderung? Ist der Islam mit demokratischen Grundwerten vereinbar? Und was wiegt mehr, die Bringschuld der Ankommenden oder die Verantwortung der Aufnehmenden? Eine kleine Auswahl großer Fragen, mit denen sich der politische Mensch von heute konfrontiert sieht. Fragen allerdings, auf die es keine absolute Antwort gibt. Daher brauchen wir den Diskurs und für den Diskurs brauchen wir die Sprache.
Allerdings lässt sich zunehmend beobachten, dass Sprache in der politischen Auseinandersetzung gelöst wird von ihrem ursprünglichsten Zweck, der Vermittlung zwischen Sender und Empfänger – und zum Instrument wird, um den politischen Gegner von Grund auf abzuwerten. Continue reading „Zurück auf Augenhöhe“

Schwedische Iranerin will Israelis deportieren lassen

Eine Kandidatin für die schwedischen Parlamentswahlen hat vorgeschlagen, Israels Juden in die Vereinigten Staaten zu deportieren, um Frieden zu schaffen. Oldoz Javidi machte ihren Vorschlag in einem Interview, bat anschließend jedoch darum, die Äußerung zurückziehen zu dürfen, da sie ‚missverstanden‘ werden könne. Javidi ist eine Schauspielerin mit iranischem Hintergrund und kandidiert für die Partei Feministische Initiative. Mehr dazu hier und hier.

Eine Minderheit demonstriert gegen die CSU

In München demonstrierten gestern 20.000 Leute gegen die CSU, vor allem gegen Markus Söder und Horst Seehofer und von ihnen verwendete Begriffe wie „Asyltourismus“. Unter dem Motto #ausgehetzt fanden sich demnach knapp 1,6 Prozent der Münchner Einwohner bzw. rund 0,2 Prozent der bayerischen Wahlberechtigten in der Münchner Innenstadt ein. Inklusive derjenigen, die gar nicht wahlberechtigt sind oder nicht aus Bayern stammen oder beides. Bei derlei politischen Happenings trifft sich schließlich immer auch das Who-is-Who des deutschlandweiten linksgrünen Protestapparates.

Nachdem ich die obigen Vergleichszahlen getwittert hatte, wies mich ein User und Demo-Teilnehmer daraufhin, dass dies die falschen Vergleichsgrößen seien. Man müsse, so der gute Mann, stattdessen zum Beispiel andere Demonstrationen heranziehen, um wirklich vergleichen zu können. Macht in dem Zusammenhang nur keinen Sinn. Denn eine wirklich vergleichbare Demonstration zu einer Anti-CSU-Demo wäre ja eine Pro-CSU-Demo und eine solche wiederum wäre totaler Blödsinn. Und weil das so ist, sehen wir uns stattdessen aktuelle Umfragen zum Thema Asylpolitik an und setzen diese in Relation zu den 20.000 Demonstranten vom Wochenende. Continue reading „Eine Minderheit demonstriert gegen die CSU“

Linksextremistische Gewalttaten steigen um 37 Prozent

9000 gewaltorientierte Linksextremisten wurden 2017 vom Verfassungsschutz gezählt. Die Zahl der linksextremistisch motivierten Gewalttaten stieg um 37 Prozent auf 1648, davon 1135 gegen Polizisten und Sicherheitsbehörden. „Wer die Polizei angreift, greift den Rechtsstaat an und wird eine starke Reaktion des Rechtsstaates erfahren“, so Seehofer bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des aktuellen Verfassungschutzberichts am Donnerstag.

Hinzu kommen 12.700 gezählte Rechtsextremisten. Die Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund sind allerdings von 1600 auf 1054 im Jahr 2017 gesunken (um 34 Prozent zu 2016). Dennoch: „Die Gewaltbereitschaft ist aber unverändert hoch“, warnte Seehofer. Darüber hinaus gibt es in Deutschland laut Verfassungsschutz rund 17.000 Reichsbürger und Selbtverwalter, die sich allerdings nur teilweise dem Rechtsextremismus zuordnen lassen. Continue reading „Linksextremistische Gewalttaten steigen um 37 Prozent“

Ein Journalisten-Verband, der keiner ist

Eigentlich ist die Sache recht simpel. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vertritt die Interessen bayerischer Unternehmen, der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter vertritt die Interessen der Milchbauern, der Deutsche Tierschutzbund ist um das Wohl der Tiere hierzulande besorgt und professionelle Hypnotiseure organisieren sich – heißt es jedenfalls auf der Homepage des entsprechenden Vereins – im Deutschen Verband für Hypnose.

Deutschland ist damit nicht nur das Land des Mittelstandes, des Ex-Fußballweltmeisters und der ewigen Gottkanzlerin. Deutschland ist auch das Land der Interessenverbände. Unzählige Vereine gibt es, deren zentrale Aufgaben darin bestehen, nah an Strippenziehern, Entscheidungsträgern und Meinungsführern aus Politik, Medien und Wirtschaft zu „gestalten“ oder im Fall der Fälle – etwa bei Angriffen durch Dritte – für ihre Mitglieder in die Bresche zu springen. Continue reading „Ein Journalisten-Verband, der keiner ist“

Private Seenotrettung mit schlechtem Ruf

Die Augsburger Allgemeine hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey ausgewertet. Das Ergebnis: ein klare Mehrheit der Deutschen bewertet privat Seenotrettung negativ. Das heißt selbstverständlich nicht, dass die Befragten gleichzeitig dafür sind, Menschen ertrinken zu lassen, auch wenn das manch einer gerne so deuten würde. Es geht selbstverständlich um Debatten über NGOs wie der „Lifeline“, denen vorgeworfen wird, sie würden mit Schleppern zusammenarbeiten beziehungsweise sie seien die eigentlichen Schlepper. Kurzum: 54,3 Prozent der Befragten bewerten private Seenorettung sehr negativ und negativ. Nur ein Drittel stimmte für positiv, wovon wiederum nur die Hälfte (16,3 Prozent) solche Engagements sehr positiv sehen. Und nun?