Alles bleibt anders

Meine bisher letzten Beiträge stammen noch aus dem August 2017, dann wurde es einige Monate still auf diesem Blog. Damals schrieb ich über das Wahlverhalten der Russlanddeutschen – das vielfach in Richtung AfD tendiert – und die, Sie ahnen es, Anfeindungen der angeblich Bunt-Toleranten. Ebenso über die deutschen Hochschulen, die anno dazumal echte Bildungseinrichtungen für selbstständiges Denken waren, also angeblich, aber seit geraumer Zeit zu ermüdend-eindimensionalen Gesinnungseinrichtungen verkommen. Zeitweise dachte ich, nach den Bundestagswahlen könnte es ruhiger werden um die AfD und anderes, die politischen Debatten gar ein wenig enthysterisiert werden. Nur ein bisschen. Doch nichts hat sich verändert. Im politischen Diskurs jedenfalls nicht.
Deutschlands berühmtester Irokesenmann redet und schreibt heute den gleichen Unsinn wie im August 2017. Die FAZ verabschiedet sich weiter von ihrem ehemaligen Stammpublikum und verwechselt nun – ähnlich der Süddeutschen Zeitung – auch schon Skepsis mit Ablehnung, Religionskritik (von „Westeuropäern“) mit der Ablehnung quasi aller Menschen aus dem afrikanischen und arabischen Raum sowie die klare Betonung eigener Werte und Normen mit der totalen Diskriminierung anderer Lebensentwürfe. Zu überfliegen hier. Und die 25.000 oder mehr, die in Berlin am Wochenende gegen die AfD demonstriert haben, stören sich nach wie vor nicht an den linken und linksextremen Gewalttätern in ihren eigenen Reihen. Lustig nur dieser Tweet der Amadeu-Antonio-Stiftung:

Ansonsten – auch wenn es schon etwas her ist – haben ein handvoll prominenter Unterzeichner die „Erklärung 2018“ als Petition auf den Weg gebracht. Ein Dossier von der Achse des Guten ist hier zu finden, die Petition mit der Nummer 79822 hier.
Und weil sich nichts verändert hat, sich aber vieles tut, schreibe ich an dieser Stelle künftig wieder öfter. Weniger in ganzen Beiträgen, mehr in Nuancen, in kurzen bis mittellangen Einträgen. Das spart Zeit für größere Projekte, die schon zu lange auf ihre Umsetzung warten.

An deutschen Hochschulen ist die Zensur los

Unter dem Deckmantel der Politischen Korrektheit lassen sich an Deutschen Hochschulen zunehmend Vorkommnisse beobachten, die die akademischen Verantwortlichen eigentlich als das benennen sollten, was sie sind: Demokratieverweigerung und Angriffe auf die Freiheit. Anstatt klare Kante zu zeigen, paart sich die Radikalität der einen mit dem Opportunismus der anderen. Das hat Folgen. „An deutschen Hochschulen ist die Zensur los“ weiterlesen

G20-Krawalle: Ihr relativiert – ich war dort

Während ich diese Zeilen schreibe, parkt meine Freundin gerade ihr Auto um. Nicht unbedingt aus Angst, dass der Kleinwagen, kein Porsche oder Mercedes, tatsächlich brennen könnte. Es ist eher eine Vorsichtsmaßnahme. Ein bisschen so, wie man seinen Kindern rät, nicht zu nahe an den Felsvorsprung zu treten. Man weiß ja nie. Unser Felsvorsprung, hinter dem das Chaos wartet, ist nur eine „Kurzstrecke“ entfernt. Über mir kreist ein Helikopter, Martinshörner heulen. Eben schrieb mir mein Vater, ob bei uns alles in Ordnung sei. Eine Bekannte ist derweil auf dem Weg nach Sylt. Da sei es sicher, sagte sie, und lud uns ein, tagsdrauf nachzukommen.

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Auf Hümmling sind die Rechten los

Weil auf Hümmling asylkritische Flyer der Wochenzeitung Junge Freiheit im Umlauf sind, sei die Bevölkerung beunruhigt, meldet die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) und bläst das Thema auf. Ein Redaktionsleiter nutzt die Chance, sich als aufrechter Demokrat zu inszenieren – und sogar der Staatsschutz ermittelt. Ein kleines Lehrstück der Kategorie „Hysterie gegen Rechts“
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Über die Anti-AfD-Initiative „KleinerFünf“

Dunya treibt „das positive Gefühl an, gemeinsam demokratisch zu handeln“. Hannah macht sich Sorgen, weil „Homo- und Trans*phobie wieder ansteigen“. Johanna will „mehr Mutreden hören, keine Angstmache“. Und Wiebke engagiert sich „weil ich gerne in einer offenen und demokratischen Welt lebe“. Dies sei, weiß Wiebke, „keine Selbstverständlichkeit, sondern eine in den letzten Jahrhunderten erkämpfte Errungenschaft.“ Selbstverständlich müsste es nicht „letzten Jahrhunderten“, sondern „vergangenen Jahrhunderten“ heißen. Aber vielleicht geht die Welt ja wirklich unter, wenn die zitierten Damen und ihre Mitstreiter scheitern. Die Indizien dafür sind nämlich zahlreich.

Die Offenbarung des Johannes
Dunya, Hannah, Johanna und Wiebke engagieren sich gemeinsam mit anderen für die Initiative „KleinerFünf“. Mit ihrem „demokratischen Handeln“ und ihren „Mutreden“ wollen sie aufklären und verhindern, dass die AfD bei der Bundestagswahl über fünf Prozent kommt. Deshalb sucht man auf der Seite der Initiative die beschworenen „Mutreden“ aktuell auch noch vergebens, stattdessen wird die AfD zu einem sexistischen, homophoben und rassistischen Monstrum aufgeblasen, das nach der Bundestagswahl alles verschlingen und die Welt in die Apokalypse führen könnte. Weniger „Mutreden“, mehr „Offenbarung des Johannes“.

Nun muss man, der Herr ist mein Zeuge, kein AfD-Mitglied sein, nicht mal mit dieser Partei sympathisieren, um den vielfach erbittert und auch verbittert geführten Kampf gegen sie mit einer gewissen Skepsis und Verwunderung zu begleiten. Da wird angeblich gegen Angstmacherei angeredet und gleichzeitig das Ende der Demokratie prophezeit, sollte die AfD in den Bundestag einziehen. Das Ende der Welt, wie wir sie kennen, scheint – glaubt man den teils völlig hysterischen AfD-Gegnern – schon an die Türen der deutschen Gartenlauben und des Reichstags zu klopfen.

Ringel Ringel Reihe
Das goldene Kalb, um im biblischen Duktus zu bleiben, scheint heute der „Kampf gegen Rechts“ zu sein, um den Dunya und Wiebke Hand in Hand „Ringel Ringel Reihe“ tanzen, mit Sonnenblumen im Haar und der Liebe zum Internationalismus im Herzen. Doch so wenig die Logik in Glaubensfragen gilt, so wenig nachvollziehbar sind auch die Gründe, warum die AfD laut „KleinerFünf“ nicht in den Bundestag einziehen sollte.

„Flüchtlinge will die AfD so lange schützen, bis der Fluchtgrund aufgehoben ist. Dann soll es Rückkehrhilfen und Wiederaufbauprogramme in den betreffenden Ländern geben“, schreibt „KleinerFünf“ in einer „AfD-Analyse“ auf ihrer Seite. Was? Flüchtlinge schützen, bis der Fluchtgrund aufgehoben ist? Und dann auch noch Rückkehrhilfen und Wiederaufbauprogramme! Ist ja unerhört!

Und dann bekennt sich die AfD auch noch zur „traditionellen Familie als Leitbild” und offenbart laut „KleinerFünf“ ihre „rassistische Ausrichtung“, weil – schon wieder unerhört! – sie darauf hinweist, dass Migranten im Durchschnitt mehr Kinder bekommen als, ähm, Menschen, die schon länger hier leben, was „den ethnisch-kulturellen Wandel der Bevölkerungsstruktur“ vorantreibt. Das alles muss eigentlich schon genügen, dass Wiebke die „offene und demokratische Welt“ in Gefahr sieht. Es kommt aber noch besser.

Klingt nach Kindernachrichten
Meinen Lieblings-Teil möchte ich an dieser Stelle etwas ausführlicher zitieren. In ihrer AfD-Kritik schreiben die Initiatoren von „KleinerFünf“ unter der Überschrift „Europa der geschlossenen Türen“:

Die AfD wirbt für ein „Europa der Vaterländer“. Sie versteht die europäische Staatengemeinschaft als eine „Wirtschafts- und Interessengemeinschaft souveräner, lose verbundener Einzelstaaten“. Wenn es nach der AfD geht, dann sind die Türen zu Europa geschlossen und der Eintritt exklusiv.Solch nationalistische Tendenzen haben in den vergangenen 100 Jahren jedoch zu vielen Konflikten und Kriegen geführt.

„Die Türen zu Europa geschlossen und der Eintritt exklusiv“ klingt drastisch, steht so aber auch gar nicht im AfD-Programm, sondern ist lediglich eine wenig wohlwollende Interpretation von „KleinerFünf“. Denn eigentlich geht es der AfD lediglich um Grenzkontrollen und regulierte Einwanderung. Das schreibt „KleinerFünf“ aber nicht, weil es viel zu harmlos, ja, sogar durchaus sinnvoll klingen könnte, wenn man an den islamistischen Terror denkt und an hunderte Millionen Menschen, die sich in den kommenden Jahren theoretisch auf den Weg nach Europa machen könnten. Das ist aber noch gar nicht der total verrückte Teil.

Richtig irre wird es erst bei der Feststellung, dass nationalistische Tendenzen „in den vergangenen 100 Jahren jedoch zu vielen Konflikten und Kriegen geführt haben“. Das klingt nicht nur so, als entstamme der Satz den Kindernachrichten, er hält einer logischen Betrachtung auch nicht stand, wie ich finde.

Besinnung auf kulturelle Identität
Nicht nationalistische Tendenzen – man könnte bei der AfD auch schlicht von „nationale“ Tendenzen sprechen, das klingt „KleinerFünf“ aber nicht harsch genug – haben zu vielen Kriegen und Konflikten geführt, sondern einerseits der Wunsch nach der Ausweitung des Staatsgebietes. Andererseits: Nicht die Besinnung auf das vorhandene Land mitsamt seiner politischen, religiösen und kulturellen Identität, worum es der AfD eigentlich geht, führte zu Kriegen und Konflikten, sondern gewaltsame Versuche, die eigene Macht auszuweiten und anderen seine politischen, religiösen und kulturellen Vorstellungen aufzuzwingen. Das erleben wir momentan eindrucksvoll beim Islamischen Staat.

Wenn man der Logik von „KleinerFünf“ weiter folgt, käme man außerdem zu dem Ergebnis, dass zentral gesteuerte Staatenbündnisse ein besserer Garant für Frieden und Stabilität seien als einzelne Länder, die souverän nebeneinander existieren und nur vereinzelt, zum Beispiel beim Handel, gemeinsame Sache machen. Ich frage mich ernsthaft, wo Hannah und Wiebke Geschichtsunterricht hatten? Auf dem Mars? Anders kann ich mir nicht erklären, dass die „KleinerFünf“-Macher offenbar noch nie etwas von der Sowjetunion gehört haben.

Ein mahnendes Beispiel
Natürlich kann und darf man die AfD kritisch betrachten. Das sollte man als aufgeklärter Demokrat übrigens mit allen Parteien tun. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Europäischen Union von heute wäre angebracht. Mit Angela Merkel, Donald Trump, Martin Schulz, mit allem und jedem von politischer Relevanz. Manchmal wäre aber auch eine kritische Betrachtung der eigenen Kritik wünschenswert. Sonst läuft man Gefahr, dass man am Ende wenig Inhaltliches und viel Polarisierendes publiziert. „KleinerFünf“ sei hier als mahnendes Beispiel genannt.

Hurra, ich bin ein Linker!

In den vergangenen Monaten habe ich mich häufiger gefragt, welcher politischen Coleur ich eigentlich angehöre. Das ist nur menschlich. Egal ob konform oder rebellisch, revolutionär oder konterrevolutionär, man neigt einfach dazu, irgendwo dazugehören zu wollen oder muss sich gezwungenermaßen irgendwo einsortieren oder einsortieren lassen. Gerade dann, wenn man als Autor regelmäßig auf „umstrittenen“ Blogs „umstrittene“ Texte publiziert.

Gelebte Toleranz

Der Mensch ist ein Rudeltier. Und ganz ohne Gruppenzugehörigkeit – machen wir uns nichts vor – fühlt man sich manchmal einsam. Ja, man fühlt sich zuweilen wie eine Schnittlauch-Pflanze vom Discounter, die auf dem Fensterbrett einer ansonsten durch und durch unökologischen Studentenbude vor sich hin vegetiert. Da ist die Identitätskrise programmiert.

Manchmal ist die Antwort, auf welcher Seite man steht, recht einfach. Ich bin durch und durch Bayern-Fan, was man mir zwar in anderen großen Fußballstädten gerne übel nimmt, aber in meiner – wie es neudeutsch so schön heißt – Peer-Group in München nur selten. Ich habe sogar Freunde, also so richtige, die durch und durch Fans von Borussia Dortmund sind, mir meine rote Seele aber dankenswerterweise zugestehen. Ich hatte sogar mal einen Kurzeinsatz als eine Art Pressesprecher für einen BVB-Fanclub, dem einer meiner besten Freunde vorsteht. Das nenne ich gelebte Toleranz.

Auch in anderen Bereichen bin ich ziemlich gefestigt: Ich rauche am liebsten gelbe Camel, gehe lieber ins Wirtshaus als in Bars, lieber ins Kino als zu Poetry Slams, trinke Ouzu, keinen Jägermeister, und im Kaffee brauche ich Milch und Zucker, sonst schmeckts nicht. Aus einem vielleicht überbordenden Männlichkeitsgefühl heraus (Ich habe den Grünen bereits eine Anfrage für eine Diagnose gestellt) gehe ich nicht zum Yoga, sondern spiele lieber Fußball. Ich fahre lieber Tram statt U-Bahn, trage vor allem Basics in schwarz, dazu immer Jeans. Ich mag keine Anzüge, aber Leinenhosen – das gestehe ich ganz offen – sind der absolute Knaller. Rote Beete igitt, rote Paprika super.

Ich bin gebürtiger Bayer und es kommt ja nicht von ungefähr, dass die Stammtische hierzulande eine sakrale Einrichtung sind. Gruppenzugehörigkeit und so. Dass ich im Allgäu geboren bin, also ein bayerischer Schwabe, ist weniger schlimm, weil ich den schwäbischen Dialekt weitgehend abgelegt habe. Nur neulich blickte mich meine Freundin erstaunt und zugleich verwirrt, vielleicht auch ein bisschen angewidert, an, als ich meinte: „Dann musst du deine Glotzbäbberlen halt aufmachen!“. Der Spruch kommt von meiner Oma. Glotzbäbberlen sind Augen. Keine Garantie übrigens, dass man die Glotzbäbberlen tatsächlich so schreibt.

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Kurzum: Eigentlich bin ich in meiner Persönlichkeit recht gefestigt. Nur die Sache mit der politischen Coleur gibt mir zu denken. Oder wie es der Philosoph Richard David Precht ausdrückt: „Wer bin ich – und wen ja, wie viele?“. Versuchen wir an dieser Stelle einmal, uns der Antwort auf die aktuelle Frage aller Fragen ganz offen und unvoreingenommen anzunähern.

Der erste konkrete Vorschlag kam von einem mir unbekannten Twitter-User, der meinte, ich sei ein „Rechtsextremist“. Wikipedia schreibt: „Rechtsextremismus dient als Sammelbezeichnung, um neofaschistische, neonazistische oder ultra-nationalistische politische Ideologien und Aktivitäten zu beschreiben. Deren gemeinsamer Kern ist die Orientierung an der ethnischen Zugehörigkeit, die Infragestellung der rechtlichen Gleichheit der Menschen sowie ein antipluralistisches, antidemokratisches und autoritär geprägtes Gesellschaftsverständnis.“ Und weiter: „Politischen Ausdruck findet dies in Bemühungen, den Nationalstaat zu einer autoritär geführten Volksgemeinschaft umzugestalten. Der Begriff „Volk“ wird dabei rassistisch oder ethnopluralistisch gedeutet“.

Ein Rechtsextremist scheine ich also nicht zu sein, sonst fände ich die Alleingänge der Kanzlerin ja mindestens super und die ganzen Zensurbehörden mit Heiko Maas als Zensur-Obermuffti auch. Fürs Protokoll: Der Autor wirft Angela Merkel und Heiko Maas an dieser Stelle keinen Rechtsextremismus vor. Es handelt sich lediglich um eine literarische Spitze, ein reines Stilelement. Danke für ihre Aufmerksamkeit – Anmerkung der Redaktion.

Ein moderner Konservativer

Im Gespräch mit einem Kollegen, dessen Versuch einer Selbsteinordnung in den Begriff „linksliberal“ mündete, kam ich neulich auf die schöne Formulierung, ich sei vielleicht ein „moderner Konservativer“. Nun mag der ein oder andere einwerfen, das sei eine ähnliche Formulierung wie „stiller Schrei“ oder „helle Nacht“, ein Oxymoron also.

Konservativ kommt von „konservare“, also von erhalten oder bewahren. Und bewahren will ich vielerlei: Zum Beispiel die Sicherheit, dass Recht und Gesetz immer gelten. Das Vertrauen, dass die Politik nur dann Veränderungen anstößt, wenn dadurch mittel- und langfristig nicht mehr Probleme, sondern weniger entstehen. Die Weitsicht, dass Utopien grundsätzlich zum Scheitern verurteilt sind. Das Wissen, dass Zeitgeist und Mode keine Gütesiegel sind. Schon gar nicht in der Politik. Und die Regel, dass in einer Maß Bier auch wirklich ein Liter Bier drin ist. Ja, ihr Wiesn-Wirte, ich habe Euch auf dem Schirm!

Und was macht mich – vielleicht – zu einem „modernen Konservativen“? Soll doch jeder lieben, wen er will. Tragen, was er will. Machen, was er will. Denken, was er will. Glauben, was er will. Solange er das allen anderen auch zugesteht und mit seiner Weltsicht niemandem auf die Nerven geht. Und schon sind wir beim nächsten Dilemma angekommen: Das würde wohl jeder fordern, der das Prinzip der Demokratie – wirklich – verstanden hat. Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. Oder so ähnlich.

Was sagt das Internet?

Gut, wir haben bereits gelernt, dass man sich auf einen einzelnen Twitter-User nicht verlassen kann und dass digitale Institutionen wie Wikipedia alles nur noch viel komplizierter machen. Also greifen wir zum Nonplusultra des digitalen Zeitalters: Persönlichkeits-Tests auf Facebook.

Neulich schickte mir ein Freund einen Link zu einem Test, mit dem man seine „politischen Koordinaten“ bestimmen kann. Eine gute Sache, dachte ich. Man bekommt zwar keine konkrete Antwort, aber doch immerhin eine erste Orientierung, einen Ansatzpunkt. Ich bin ja auch nicht von heute auf morgen zum Bayern-Fan geworden. Etwa 30 Fragen und zwei Camel später lautete das Ergebnis: „Sie sind ein linker Kommunitarist“.

Betretenes Schweigen im Theater. „Hurra, ich bin ein Linker!“, entfuhr es mir dann lautstark. Endlich kann ich mit meiner Meinung ganz unbehelligt hausieren gehen, den Besserwisser geben, mich als vollwertiges Mitglied der Medienlandschaft betrachten, andere zensieren, in den „Kampf gegen Rechts“ ziehen, mich wieder auf die Straße trauen.

Da war er also, mein politische Ablassbrief, schwarz auf weiß. Wikipedia schreibt: „Der Ablassbrief bescheinigte dem Erwerber einen Ablass, das heißt den „Nachlass von auferlegten Strafen, die von dem Sünder nach seiner Umkehr noch zu verbüßen sind“. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Maas. Amen.

 

 

BR-PULS-Aktion: Neuer Hashtag, alte Feindbilder

Die Redaktion von „BR PULS“, das selbsternannte „junge Programm“ des öffentlich-rechtlichen und somit steuerfinanzierten Bayerischen Rundfunks (BR), hat genug von Hass und Hetze und sammelt mit einer Hashtag-Aktion „Geschichten gegen Hass“, also „Portraits, Reportagen und Beispiele von Leuten, die für eine offene Gesellschaft aufgestanden sind“ und „die dafür waren, statt immer nur dagegen.“ So weit, so ehrenwert.

Wer nun aber hofft, es ginge um „positive Vibes“, wie es wohl im PULS-Duktus heißen würde, oder gar um die konsequente Umsetzung der Idee des „Constructive Journalism“, wonach sich Medien auf eine Berichterstattung über die Lösungen und nicht auf die Probleme konzentrieren sollten, der wird enttäuscht. Dazu gleich mehr.

Da ich, Jahrgang 1986, nur wenig älter oder etwa im gleichen Alter wie die die meisten PULS-Mitarbeiter sein dürfte, möchte ich kurz erläutern, über welche „Geschichten gegen Hass“ ich mich gefreut hätte.

Über ein Portrait über eine Reihe von Professoren zum Beispiel, die an Hochschulen und Universitäten wieder für einen offenen, kritischen Dialog auch zu Themen wie Zuwanderung oder Gender Mainstreaming eintreten. Über junge Nachwuchspolitiker, die parteiübergreifend gegen offenen Antisemitismus Stellung beziehen, wenn weit mehr als nur eine handvoll Facebook-User und die taz meinen, Anschläge auf Israel seien reine Notwehr. Über junge Muslime, die eine islamische Reformation, inklusive eines modernen Frauenbildes erreichen wollen. Oder ein Interview mit jungen Demonstranten, die einerseits gegen Pegida und die AfD auf die Straße gehen, sich andererseits aber auch gegen die Antifa stellen, weil sie Gewalt nie gutheißen, ganz egal, auf wen es die Täter abgesehen haben. Kurzum: Geschichten über Menschen, die dem Hass wirklich Einhalt gebieten wollen, damit der öffentliche Diskurs nicht weiter daran krankt.

Doch leider geht es bei den „Geschichten gegen Hass“ mal wieder nicht um einen friedlichen Dialog, echte Demokratie und eine offene Gesellschaft, auch, wenn die PULS-Redaktion mit Sätzen wie „Wir von PULS haben keine Lust mehr auf Schlechtmacherei“ den Eindruck vermitteln will, es handle sich hier um ein aufklärendes und innovatives Format. Denn in der Praxis geht es – neuer Hashtag, alte Feindbilder – mal wieder nur darum, Haltung im linksgrünen Sinne zu zeigen.

In einem entsprechenden PULS-Beitrag hieß es zur Hashtag-Aktion schon Ende November: „PULS startet heute eine Offensive gegen Populismus. Dagegen immer nur das Negative zu sehen. Gegen rechte Hetze und Hass.“ Folgerichtig sucht PULS unter dem Hashtag „Geschichten gegen Hass“ ganz aktuell vor allem „Geschichten gegen rechte Hetzer“, wie die Redaktion auf Twitter mitteilt. Und auch dieses Mal bleibt – wie langweilig – eine Erläuterung, was „rechte Hetzer“ eigentlich sein sollen, konsequent aus.

Schade drum, denn ein Befürfnis nach positiven Vibes gebe es aktuell genug, vor allem nach dem vergangenen Jahr, den Anschlägen in Würzburg, in Ansbach und zuletzt auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Aber vielleicht sollte ich, ganz im Sinne von PULS, auch endlich damit aufhören, „immer nur das Negative“ zu sehen. Fehlen mir nur ein passender Hashtag – und vielleicht noch ein paar Millionen Euro Zwangsgebühren vom Steuerzahler.

 

 

 

 

 

Ein Plädoyer für mehr Ignoranz

In sozialen Medien lässt sich ein Effekt beobachten, den man eigentlich nur von Babys kennt: Wenn eines anfängt zu heulen, heult das andere auch. Shitstorm nennt sich das in neudeutschem Internet-Sprech, und die hysterische Schwester von höflicher Diskussion scheint zunehmend echte Debatten abzulösen. Das trifft auch vermehrt die Werbebranche, weil vereinzelte Konsumenten und selbsternannte Moralwächter jede Kampagne pedantisch und streng humorlos auf Political Incorrectness abklopfen – und auf alles andere, an dem man sich reiben kann.

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Von Frieden, Wohlstand, Ressentiments

Es ist tatsächlich wenig überraschend, welche Reaktionen der #Brexit bei Politikern, Journalisten, dem einfachen Facebook-User und auch an den Mittagstischen der Verlagskantine hervorgerufen hat. Meist lautet die einhellige Meinung: Wer für den Brexit ist, der kann nur dumm sein, uninformiert, ein Abgehängter.

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Mit Rechten spielt man nicht

Eigentlich wollte es der SWR halten wie 2011, auch damals lud man zur „Elefantenrunde“ nicht nur die vier Landtagsparteien ein, sondern nach bestimmten Kriterien – etwa Umfragewerte – auch Vertreter anderer Parteien, die den Einzug in den Landtag schaffen könnten. Nunja, eigentlich. Denn fünf Jahre sind seitdem vergangen – und im Ländle wird das nächste traurige Kabinettstückchen aufgeführt. Dieses Mal unter der Regie des SWR.

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