Der Träumer vom Bodensee

Davide Martello reist mit seinem Flügel um die Welt – und taucht immer dort auf, wo ihn keiner erwartet: bei Protesten und Krawallen.

erschienen im FOCUS Magazin

In Konstanz ist es längst dunkel, als der „Friedensengel“ erscheint. Sein Gefährt ist kein goldenes, es ist ein alter VWVento mit getönten Scheiben, übersät mit Kratzern und Dellen. Die Beifahrertür knarzt beim Öffnen. Rote Jeans, Winterjacke, kurze schwarze Haare. Er grüßt, als wäre man seit Jahren befreundet. Ungefragt sagt er: „Jede Beule hat eine Geschichte.“ Er meint sein Auto. Und beginnt zu erzählen.

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Immer wieder montags

Der Himmel grau in grau über einer Stadt, die seit Monaten immer wieder montags überschattet wird, von Pegida und Protesten gegen die Bewegung. Es ist acht Uhr morgens als ich in Dresden übernächtigt aus dem Liegewagen steige. Junge Leute sitzen vor dem Bahnhof auf dem Boden, Teekanne in der Hand, „Gegen Nazis“-Patch auf Jacken und Rucksack. Ein Mädchen ist dabei, 1,60 Meter groß, blond gefärbte Haare, ganz hübsch eigentlich. Die „Morgenpost“ titelt: „Dresden im Ausnahmezustand“, dazu ein Live-Ticker. Bleib doch bitte zu Hause, Mädchen, denke ich.

erschienen im EGO-Magazin 

Nach einer kurzen Taxifahrt komme ich am Hotel an. Gegenüber steht die Dresdner Staatsoper, an deren Fassade ein großes Transparent hängt. „Für ein weltoffenes Dresden“ steht darauf. Gut 20 Fußminuten entfernt, an der Flutrinne, soll an diesem Montag im April der Niederländer Geert Wilders von der „Partei für die Freiheit“ bei Pegida sprechen. Von Kritikern als Islamhasser verschrien, von seinen Anhängern als mutiger Mann gefeiert. Mit seinen Reden gegen den Islam und eine – angebliche – Islamisierung Europas hat er es bis auf die Todesliste der Terror­organisation al-Qaida geschafft. Sein Buch „Marked for Death: Islam’s War against the West and Me“ wurde zum Best­seller. Continue reading „Immer wieder montags“

Grüß mir die Sonne

Ein Schweizer will mit dem Solarflugzeug die Welt umrunden – und Geschichte schreiben. Wie sein Großvater, der erstmals mit einem Ballon in die Stratosphäre aufgestiegen war

erschienen im FOCUS Magazin

Sein Großvater sah als erster Mensch mit eigenen Augen, dass die Erde rund ist. Mit einem Ballon stieg Auguste Piccard immer höher und höher, bis er die Stratosphäre erreichte. Höher, als je ein Mensch vor ihm gestiegen war. Das war 1931. Sein Vater tauchte 29 Jahre danach auf den Grund des Marianengrabens hinab. Fast elf Kilometer tief in bis dahin unerforschte Dunkelheit. Tiefer, als je ein Mensch vor ihm getaucht war.„Wenn etwas unmöglich scheint, muss man es versuchen“, glaubt Bertrand Piccard und blickt aus dem Wohnzimmerfenster in die Welt. Er will seinem Großvater und Vater gerecht werden – und erneut das Unmögliche möglich machen.

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Preußische Tugenden

Vom Bahnhof holt der Spitzenkandidat noch persönlich ab. AfD-Politiker Björn Höcke kommt im silbernen Mini-Van, hinten vier Kindersitze, ein Partei-Aufkleber am Heck. In der linken Hochburg Göttingen hat der was von einer Zielscheibe. „Lange kann ich mein Auto hier nicht aus den Augen lassen“, sagt Höcke und lacht. Das Handy klingelt, mal wieder. Höcke sagt: „Der Wahlerfolg in Sachsen war wie ein Dammbruch”.

erschienen auf Allein im Medienland, Auszüge im FOCUS Magazin 

Nach einer kurzen Parkplatzsuche sitzen der AfD-Spitzenkandidat für Thüringen und ich vor einer kleinen Bäckerei in einer Seitenstraße. “Das zahle ich zusammen. Geben Sie dem jungen Mann seine Eineurozwanzig zurück”, meinte er zu der Frau hinter dem Tresen. Ich überlege kurz, wieviel Deutsche Mark das gewesen wären. Björn Höcke ist nicht das populärstes Mitglied der Alternative für Deutschland, aber er gehört zu den Gründungsmitgliedern. Ein 41-jähriger Lehrer für Sport und Geschichte, der über Jahrzehnte zwar „hochpolitisiert“, wie er sagt, aber nie auffallend politisch aktiv war. Mal abgesehen von einem kleinen Intermezzo bei der Jungen Union. “Dafür schäme ich mich heute noch”, sagt er später am Tag. Über Jahre nur er und das Klassenzimmer eines Thüringer Gymnasiums, zwischendrin die Sporthalle. Fußball, Basketball, Turnen, kennt er. Wahlkampf ist neu. Eigentlich. Continue reading „Preußische Tugenden“

Für immer zum Mars

Ein 25-jähriger Potsdamer will die Erde verlassen, um den Roten Planeten zu besiedeln. Vorher muss er sich verabschieden. Es ist eine Reise ohne Rückkehr 

erschienen im FOCUS Magazin

Die Plattenbauten sind frisch gestrichen, der Rasen vor den Häusern gemäht, Betonfassaden verschwinden hinter alten, wunderbaren Bäumen. Die Potsdamer Waldstadt ist ein Vorstadtidyll. Von hier aus scheint Denis Newiaks Vorhaben besonders weit entfernt vom irdischen Leben.

Oans, zwoa… gsportelt

Der Personal Trainer Klaus Reithmeier bietet ein Lederhosen-Training im Englischen Garten in München an. Ums Masskrüge-Stemmen geht es dabei nicht. Ein Selbstversuch

erschienen im FOCUS Magazin 

Ben, fesch schaust aus!“ Das Kompliment zieht. Noch eine halbe Stunde zuvor hatte ich mich ernsthaft erschrocken. Der Trachtenjanker: spannt zunächst. Die Lederhose: geht kaum zu. „Die kann man hinten noch weiter machen“, war der rettende Hinweis eines Freundes. Fesch sehe ich jetzt also aus, am Eingang zum Englischen Garten in München. Trachtenstrümpfe, Trachtenhemd, an den Füßen dunkle Haferlschuhe. Und nun? Zum Heimatabend, um auf Volksmusik und Austria-Pop zu tanzen? Der CSU-Staatssekretärin Dorothee Bär endlich den Hof machen? Oder doch zum herbstlichen Trinkgelage in den nächsten Biergarten? Nichts von alledem. Ich gehe zum Sport – in Lederhosen.

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