Zurück auf Augenhöhe

Politische Realität ist keine Wahrheit. Sie ist das Resultat einer ganzen Reihe von Interpretations- und Erfahrungsmustern, von Überzeugung und Misstrauen, Zustimmung und Ablehnung. Die politische Realität des einen kann daher völlig konträr zu der des anderen sein. Besonders eindrücklich zeigt sich das an der aktuellen Migrationsdebatte.
Wo beginnt Rassismus? Wieviel Zuwanderung ist zu viel Zuwanderung? Ist der Islam mit demokratischen Grundwerten vereinbar? Und was wiegt mehr, die Bringschuld der Ankommenden oder die Verantwortung der Aufnehmenden? Eine kleine Auswahl großer Fragen, mit denen sich der politische Mensch von heute konfrontiert sieht. Fragen allerdings, auf die es keine absolute Antwort gibt. Daher brauchen wir den Diskurs und für den Diskurs brauchen wir die Sprache.
Allerdings lässt sich zunehmend beobachten, dass Sprache in der politischen Auseinandersetzung gelöst wird von ihrem ursprünglichsten Zweck, der Vermittlung zwischen Sender und Empfänger – und zum Instrument wird, um den politischen Gegner von Grund auf abzuwerten. Continue reading „Zurück auf Augenhöhe“

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Eine Minderheit demonstriert gegen die CSU

In München demonstrierten gestern 20.000 Leute gegen die CSU, vor allem gegen Markus Söder und Horst Seehofer und von ihnen verwendete Begriffe wie „Asyltourismus“. Unter dem Motto #ausgehetzt fanden sich demnach knapp 1,6 Prozent der Münchner Einwohner bzw. rund 0,2 Prozent der bayerischen Wahlberechtigten in der Münchner Innenstadt ein. Inklusive derjenigen, die gar nicht wahlberechtigt sind oder nicht aus Bayern stammen oder beides. Bei derlei politischen Happenings trifft sich schließlich immer auch das Who-is-Who des deutschlandweiten linksgrünen Protestapparates.

Nachdem ich die obigen Vergleichszahlen getwittert hatte, wies mich ein User und Demo-Teilnehmer daraufhin, dass dies die falschen Vergleichsgrößen seien. Man müsse, so der gute Mann, stattdessen zum Beispiel andere Demonstrationen heranziehen, um wirklich vergleichen zu können. Macht in dem Zusammenhang nur keinen Sinn. Denn eine wirklich vergleichbare Demonstration zu einer Anti-CSU-Demo wäre ja eine Pro-CSU-Demo und eine solche wiederum wäre totaler Blödsinn. Und weil das so ist, sehen wir uns stattdessen aktuelle Umfragen zum Thema Asylpolitik an und setzen diese in Relation zu den 20.000 Demonstranten vom Wochenende. Continue reading „Eine Minderheit demonstriert gegen die CSU“

Private Seenotrettung mit schlechtem Ruf

Die Augsburger Allgemeine hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey ausgewertet. Das Ergebnis: ein klare Mehrheit der Deutschen bewertet privat Seenotrettung negativ. Das heißt selbstverständlich nicht, dass die Befragten gleichzeitig dafür sind, Menschen ertrinken zu lassen, auch wenn das manch einer gerne so deuten würde. Es geht selbstverständlich um Debatten über NGOs wie der „Lifeline“, denen vorgeworfen wird, sie würden mit Schleppern zusammenarbeiten beziehungsweise sie seien die eigentlichen Schlepper. Kurzum: 54,3 Prozent der Befragten bewerten private Seenorettung sehr negativ und negativ. Nur ein Drittel stimmte für positiv, wovon wiederum nur die Hälfte (16,3 Prozent) solche Engagements sehr positiv sehen. Und nun?

Sagen, was ist

Anja Reschke wurde gestern vom Medium-Magazin als Journalistin des Jahres ausgezeichnet.  Reschke sagte: „Meine Rolle ist die einer Journalistin, aber, das muss ich zugeben: Ich weiß nicht mehr, was das ist.“ Sie zitierte den Spiegel-Gründer Rudolf Augstein. Der forderte Journalisten auf zu „sagen, was ist“. Ein Zitat, das auch in der Eingangshalle des Spiegel in Hamburg prangt, erzählte Reschke. Allerdings, so Reschke, wisse sie nicht, was dieses „sagen, was ist“ heute noch heißt. Sie wisse nicht mehr, was ist, was wahr, was erfunden. Continue reading „Sagen, was ist“