Einfache und schlechte Antworten

Landauf, landab werden seit geraumer Zeit Warnungen vor einfachen Antworten laut. Dabei sind die aufrichtigen Antworten zumeist sehr wohl sehr einfach. Wenn mich zum Beispiel jemand fragt, ob ich mich mit ihm befreunden oder mit ihm ein Bier trinken möchte, kann ich dies bejahen oder verneinen. Gleiches gilt für jede andere Entscheidung oder Aktivität, inklusive Beziehungsfragen, auch für jedwede rhetorische Frage, die der Chef stellt, ebenso für jede Frage, die meine Zukunft betrifft. Dass der einfachen Antwort eine Phase der komplexen Überlegungen vorausgehen kann, tut dem keinen Abbruch. Die meisten Antworten sind dennoch einfach, weil sie einfach sein sollen. Dies ist ihre stärkste Eigenschaft. 

Schlechte Antworten sind dagegen jene, die nicht einfach, die nicht klar sind. Komplizierte Antworten sind meist ein Zeichen: entweder von Schwäche, weil man Angst vor der Gegenreaktion des Gegenübers hat, von Unsicherheit, weil man sich der eigenen Antwort gar nicht gewiss ist, oder – und das besonders in diesen stürmischen Zeiten – von gesellschaftlichen Konventionen, die dazu führen, dass bestimmte Antworten in bestimmten Kreisen nicht akzeptiert werden. Auch dann nicht, wenn sich die lang gepflegte Utopie in der zu diskutierenden respektive zu beantwortenden Sache längst und zum wiederholten Male als wirre Fantasterei entpuppte. Etwa, weil sie wiederholt als Grundlage für irre Bestrebungen diente, die im ersten Schritt die Freiheit nur einschränkten, die neu geschaffene Unfreiheit im zweiten Schritt aber blutig verteidigten.

Es heißt, im Krieg sterbe die Wahrheit zuerst. Teil dieser Wahrheit kann immer auch die aufrichtige, die einfache Antwort sein.

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