Was erlauben, Kai?!

„Was erlauben, Horst?!“, schreit Kai Gniffke in der Ferne, sichtlich angewidert von den jüngsten Entwicklungen. Denn Horst Seehofer tritt vorerst nicht zurück, und das, obwohl Süddeutsche Zeitung, DIE ZEIT, die Neue Zürcher Zeitung und andere die Eilmeldung doch schon verschickt hatten. Noch schlimmer allerdings: Gniffke selbst war es, der in den gestrigen Tagesthemen Mal so richtig mit Seehofer abrechnete. Vor lauter Erregung mit beiden Armen auf dem Moderatoren-Tresen abgestützt, entfuhren ihm Perlen wie „Der Rücktritt von Horst Seehofer wäre eine Befreiung für Deutschland“ und dass damit endlich “ein Ende der bajuwarischen Profilneurosen” gekommen wäre.

Ein äußerst kurzweiliger Auftritt: Der Fremdscham wegen, die immer aufkommt, wenn das Gebärden nicht so recht zur Type passen will. Aber auch, weil ARD-Mann Gniffke zwar stets bemüht war, im Konjunktiv zu bleiben, es aber insgesamt eine endgültige und obendrein eine sehr persönliche Abrechnung war. Eine Abrechnung, die sich nicht nur gegen den CSU-Politiker Horst Seehofer richtete, sondern auch gegen den Mensch Horst Seehofer – den Gniffke offenkundig zutiefst verabscheut.

Und nun? Seehofer bleibt (vorerst) Vorsitzender der CSU und Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat. Und Kai Gniffke bleibt (vorerst) Chefredakteur von ARD-aktuell und somit auch der Tagesschau und der Tagesthemen. Schade eigentlich, denn ein Rücktritt Gniffkes könnte doch das langersehnte Ende der öffentlich-rechtlichen Profilneurosen bedeuten. Was erlauben, Kai?!

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