Trump und die stillenden Mütter

Von Donald Trump ist man mittlerweile einiges gewohnt, aber als mir folgender Artikel auf Facebook begegnete, schrillten bei mir die Fake-News-Alarmsirenen dennoch so laut wie das grellste Martinshorn in der engsten Gasse am Hindukusch. „SKANDAL: Trump kämpft gegen natürliches Stillen“ war da zu lesen. Normalerweise klicke ich Beiträge, die sich mit Trump beschäftigen und mit derart geifernden Überschriften auffallen, gar nicht (mehr) an, also Artikel auf Spiegel Online zum Beispiel. Aber die Kombination stillende Frauen und Donald Trump war dann doch zu reizvoll. Und während sich mein Finger sanft, aber bestimmt auf die linke Maustaste legte, fragte ich mich zum Thema Stillen, ob Melania Trump eigentlich…; anderes Thema.

Kurz darauf fand ich mich auf einer – sagen wir – Webseite mit dem gleichermaßen nichts- wie vielsagenden Titel „Love this look“ (Motto: „Die neue Lifestyle-Community für starke Frauen“) wieder. Wie sich herausstellen sollte glücklicherweise, denn sonst wäre mir das folgende Beispiel, das sehr eingängig illustriert, wie die Berichterstattung über Trump funktioniert, nie untergekommen. Ein Beispiel, das so wunderbar platt ist, dass es sich gar als Anschauungsmaterial für die grünsten Anti-TrumpInnen dieses Landes in einer Diskussion über Fairness in der Berichterstattung über den US-Präsidenten eignen könnte. Sozusagen als dumm-dämliche Blaupause für das, was wir in deutschen Qualitätsmedien regelmäßig lesen, sehen und hören müssen. Continue reading „Trump und die stillenden Mütter“

Advertisements

Offene Grenzen gleich mehr Wohlstand für alle – glaubt „brand eins“

Ich bin jüngst über einen Beitrag in brand eins gestolpert, der ganz wunderbar exemplarisch für die Argumentationsmuster gewisser Kreise steht. Der Journalist Christoph Koch stellt darin die durchaus spannende Frage „Was wäre, wenn alle Grenzen offen wären?“ – und wartet gleich zu Beginn mit einer bemerkenswerten Erkenntnis auf. Koch schreibt: „Die erstaunlichste Folge [offener Grenzen] wäre ein deutlich höherer Wohlstand für alle.“ Zur Begründung fügt er an: „Wirtschaftsforscher ermittelten in vier unterschiedlichen Studien, dass sich das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) um einen Wert zwischen 67 und 147 Prozent erhöhen würde. Der Grund: Eine Arbeitskraft, die von einem armen Land in ein wohlhabendes zieht, entfaltet – unter anderem durch einen effizienteren Arbeitsmarkt sowie bessere Arbeitsbedingungen und Hilfsmittel – eine erheblich höhere Produktivität.“ Als quasi Kronzeuge zitiert Koch einen Wirtschaftsprofessor, der glaubt: „Das führt sowohl in den Sender- als auch den Empfängerländern zu mehr Wohlstand“.

Wie das mit Hypothesen so ist, könnte die des Professors am Ende sogar stimmen – oder eben nicht. Allerdings setzt sie mindestens voraus, dass es sich bei den Zuwanderern tatsächlich um Arbeitskräfte handelt. Also um Personen, die kurz- bis mittelfristig auch wirklich arbeiten und Geld verdienen, das sie hier ausgeben und nach dort verschicken können. Dafür wiederum braucht es bestimmte Grundlagen, wie einen gewissen Grad an Bildung, Lesen und Schreiben, die Verfügbarkeit passender Arbeitsplätze oder einen Arbeitgeber, der den entsprechenden Bewerber am Ende einstellt. Noch etwas anderes ist in diesem Zusammenhang aber wesentlich entscheidender: Denn entgegen Kochs Behauptung, sagt das Bruttoinlandsprodukt rein gar nichts über den Wohlstand eines Landes aus – und erst recht nicht über den Wohlstand eines einzelnen Bürgers. Weder hier, noch in Lummerland. Bemerkenswert, dass es die Mär vom „steigenden BIP gleich steigenden Wohlstand“ dennoch in ein (seriöses) Wirtschaftsmagazin geschafft hat. Dem Autor sei dank. Continue reading „Offene Grenzen gleich mehr Wohlstand für alle – glaubt „brand eins““