Mehrheit gegen „Weiter so!“ der EU

Laut einer Umfrage, die vom Europaparlament beauftragt wurde, haben die Deutschen überwiegend ein positives Bild von der Europäischen Union und der Mitgliedschaft Deutschlands. Das berichtet unter anderem Spiegel Online unter der Überschrift „Vier von fünf Deutschen sehen EU positiv“. Demnach halten vier von fünf deutschen Befragten die Mitgliedschaft für eine gute Sache. 76 Prozent finden außerdem, dass die Bundesrepublik von der EU-Mitgliedschaft vor allem profitiert habe. Auf den ersten Blick ist das für die EU selbstverständlich eine freudige Nachricht, für alle Pro-EUler ohnehin. Auf den zweiten sieht die Sache jedoch schon wieder ganz anders aus.  Continue reading „Mehrheit gegen „Weiter so!“ der EU“

Advertisements

…damit der Debattenkultur wieder Flügel wachsen

In Bayern stehen am Sonntag die Landtagswahlen an. Wie schon vor der Bundestagswahl kursieren im Netz daher allerlei Videos, in denen Prominente – vorwiegend aus zweiter oder dritter Reihe, aber auch ein Bully Herbig etwa – davor warnen, die Alternative für Deutschland (AfD) zu wählen. Kuratiert etwa von der Facebook-Seite Künstler mit Herz. Was diese Videos eint, ist, dass sich die Sendenden innert kürzester Zeit gerne selbst widersprechen. Zum einen werben sie richtigerweise für Vielfalt und Dialog, auch für die Vielfalt der Meinungen mitunter. „Weil mich das weiter bringt“, sagt etwa Eisi Gulp, Schauspieler und Kabarettist von Beruf, der eben diese Auseinandersetzung mit dem Fremden meint, auch mit fremden Standpunkten. Eine gute Botschaft, eigentlich.

Andererseits: Dann kommt Gulp auf die AfD zu sprechen, schwadroniert über „Dumpfbacken“ und „puren Rassismus“ und „hasserfüllte Hetztiraden“, die sich in dieser Partei komprimierten (was freilig bedeutet, dass alle AfD-Mitglieder rassistische Dumpfbacken sind). Auch der obligatorische Verweis auf die NS-Zeit darf nicht fehlen. Ein Verweis, der nicht nur unfair selbst gegenüber einer gerne provozierenden AfD ist, sondern in allerletzter Konsequenz auch den Holocaust verharmlost. Oder glaubt Gulp allen Ernstes, dass die AfD Genozide plant, Muslime in Gaskammern schicken will? Und gibt es mit Blick auf das AfD-Programm nicht mehr als genug Angriffsfläche, um auf das – mitunter pathologisch anmutende – Herbeireden eines drohenden neuen Dritten Reiches, das schon an den Reichstag klopft, verzichten zu können? Ich meine schon.

Continue reading „…damit der Debattenkultur wieder Flügel wachsen“

Werner Patzelt versus Huffington Post

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt gilt als einer der renommiertesten politischen Analysten unserer Zeit, wenn es um die sogenannte „neue Rechte“ geht. Ein gefragter Gesprächs- und Diskussionspartner, immer klug, stets sachlich und äußerst sympathisch. Kein Wunder, dass ihm von linksgrüner Seite deshalb gerne verschwörungstheoretisch eine – wie auch immer geartete – „Nähe“ zu AfD und Pegida unterstellt wird. Wäre auch allerhand, dass einer zu Rechten forscht, ohne mit der Antifa zu sympathisieren, oder – noch schlimmer – dabei auch noch sachlich bleibt!

Derlei ungelenke Diffamierungsversuche prallen für gewöhnlich aber am Professor von der TU Dresden ab. Doch jüngst wurde es ihm mit Unterstellungen aus dem Juste Milieu dann doch zu bunt. Denn Politik-Redakteur Lennart Pfahler von der Huffington Post unterstellte dem CDU-Mitglied, Patzelt habe Merkel mit Goebbels verglichen. Natürlich nicht direkt (da würde man sich juristisch angreifbar machen), sondern indirekt, als Frage getarnt. „Verglich er Merkel mit Goebbels?“ war da in der Headline zu lesen. Eine Headline, die mittlerweile zwar geändert wurde, allerdings ist die Frage in der URL noch zu lesen, wie folgende Screenshots zeigen. Continue reading „Werner Patzelt versus Huffington Post“

Die Mutter aller medialen Probleme

Die Migrationsfrage, sagte Horst Seehofer jüngst in einem Interview, sei die „Mutter aller politischen Probleme“. In der Folge hagelte es – wie eigentlich immer, wenn Seehofer sich zur Migrationsdebatte äußert – Rücktrittsforderungen. Auch die immer gleiche Platte von der AfD-Nähe und dem Applaus von der falschen Seite wurde aufgelegt. Die taz-Autorin Sibel Schick deutete Seehofers Satz gleich ganz besonders dramatisch. Schick schrieb auf Twitter, dieser Satz sei „ein offener Mord- und Vergewaltigungs-Aufruf“ gegen Migranten; was mich wiederum in meiner Theorie bestärkt, dass es quasi Grundvoraussetzung für eine hippe Jungfeministin im Kampf gegen Rächts sein muss, dass die eigenen Beiträge sich lesen wie eine Kreissäge klingt. „Kreischsägen“ nannte das ein Twitter-User. Gefällt mir.

Aber nicht nur die einschlägige Empörungsmaschinerie nahm verlässlich wie die Maurer wieder Fahrt auf. Auch der ein oder andere Journalist warf – auch das gehört bekanntlich längst zum Spiel – mal wieder die journalistische Sorgfaltspflicht über den Haufen. Denn aus dem Satz „Die Migrationsfrage ist die Mutter aller politischen Probleme“ wurde bei vielen Medien im Handumdrehen „Die Migration ist die Mutter aller politischen Probleme“ gemacht – und damit behauptet, Seehofer würde Zuwanderer per se für alle Probleme im Land verantwortlich machen. Zum Beispiel bei n-tv, bei Focus Online und selbstverständlich auch bei Spiegel Online. Aber eben nicht nur bei den üblichen Verdächtigen, sondern auch bei WELT online und – was mich als (noch) regelmäßiger Leser ganz besonders ärgert – sogar in der gedruckten Ausgabe der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Freitag, auf Seite 1 wohlgemerkt. Continue reading „Die Mutter aller medialen Probleme“

Deutschland, deine Helden

In den sozialen Medien wird bekanntlich einiges an Unsinn geschrieben und behauptet. Da verwundert es nicht, dass auch im Zusammenhang mit den Vorkommnissen in Chemnitz auf allerlei Unsinn stößt, wer auf Twitter aktiv ist. Aber auch der Unsinn – das zeigt sich immer wieder auf’s Neue – kennt Steigerungsformen und Abstufungen, quasi erträglichen und unerträglichen Unsinn.

Erträglicher Unsinn ist zum Beispiel der Tweet einer mit immerhin 44.000 Followern gesegneten Autorin und Bloggerin zum Thema: „Ich sitze an einem Lagerfeuer in Polen. Warum ich dauernd auf mein Handy gucken würde, werde ich gefragt. Ich zucke die Achseln. „tinder“, murmle ich. Ich schäme mich so sehr. So sehr.“ Dass es bei so viel Pathos vordergründig um Effekthascherei und ein bisschen Applaus in den sozialen Netzwerken geht, liegt auf der Hand. Wenn die gute Frau – und so viel Sportsmann bin ich – aber glaubt, sie müsse die Last der Welt zumindest digital auf ihren Schultern tragen, möge sie dies gerne tun. Zweifellos ölt sie mit ihrem Betroffenheitsgesäusel die Marketingmaschinerie. Und die Frau will schließlich Bücher verkaufen. Continue reading „Deutschland, deine Helden“

Chemnitzer Ursachenforschung

Im Zusammenhang mit dem Aufmarsch rechter Fußballfans und Sympathisanten in Chemnitz geistert durch die sozialen Medien ein Vorwurf, der bald auch von den linksgrünen Medien übernommen werden dürfte: Die Jagdszenen und das nationalistische Geplärre in Chemnitz, so heißt es, seien direkte Folgen von Hass und Hetze. Einer mit über 30.000 Followern twittert zum Beispiel: „Keiner kann mehr wegschauen, wir alle müssen lauter werden! Hört bitte auf, über ‚besorgte Bürger‘ oder ‚Protestwähler’ zu reden und zu schreiben.“ Auch die für ihre messerscharfen Analysen bekannte Sawsan Chebli hält mit ihrer ganz eigenen Sicht auf die Dinge mal wieder nicht hinterm Berg: „Rechte werden immer stärker, immer lauter, aggressiver, immer radikaler, immer selbstbewusster, sie werden immer mehr. Wir sind mehr (noch), aber zu still, zu bequem, zu gespalten, zu unorganisiert, zu zaghaft. Wir sind zu wenig radikal.“ Continue reading „Chemnitzer Ursachenforschung“

Sachsen macht irre

Der aktuelle Aufschrei um ein ZDF-Fernsehteam und einen Pegida-Anhänger, der in bisher unbekannter Position für das Landeskriminalamt tätig ist, offenbart einmal mehr die Scheinheiligkeit der einschlägigen Medien und Politik im Kampf gegen angebliche rechte Umtriebe. Nicht nur, dass dem Pegida-Anhänger – meines Erachtens nach und trotz seines unhöflichen Auftretens – zu Unrecht unterstellt wird, er habe das Fernsehteam „verbal angegriffen“, wie es unter anderem der „Stern“ und das „ZDF“ behaupten. Auch das Gebaren der direkt und indirekt beteiligten Journalisten in Kombination mit (dem im Kampf gegen Rechts allzu beliebten) Geltungsdrang bestimmter Politiker zeigt eindrücklich, wie es um Demokratie und freie Meinungsäußerung in Deutschland bestellt ist: nicht gut.  Continue reading „Sachsen macht irre“

Trump und die stillenden Mütter

Von Donald Trump ist man mittlerweile einiges gewohnt, aber als mir folgender Artikel auf Facebook begegnete, schrillten bei mir die Fake-News-Alarmsirenen dennoch so laut wie das grellste Martinshorn in der engsten Gasse am Hindukusch. „SKANDAL: Trump kämpft gegen natürliches Stillen“ war da zu lesen. Normalerweise klicke ich Beiträge, die sich mit Trump beschäftigen und mit derart geifernden Überschriften auffallen, gar nicht (mehr) an, also Artikel auf Spiegel Online zum Beispiel. Aber die Kombination stillende Frauen und Donald Trump war dann doch zu reizvoll. Und während sich mein Finger sanft, aber bestimmt auf die linke Maustaste legte, fragte ich mich zum Thema Stillen, ob Melania Trump eigentlich…; anderes Thema.

Kurz darauf fand ich mich auf einer – sagen wir – Webseite mit dem gleichermaßen nichts- wie vielsagenden Titel „Love this look“ (Motto: „Die neue Lifestyle-Community für starke Frauen“) wieder. Wie sich herausstellen sollte glücklicherweise, denn sonst wäre mir das folgende Beispiel, das sehr eingängig illustriert, wie die Berichterstattung über Trump funktioniert, nie untergekommen. Ein Beispiel, das so wunderbar platt ist, dass es sich gar als Anschauungsmaterial für die grünsten Anti-TrumpInnen dieses Landes in einer Diskussion über Fairness in der Berichterstattung über den US-Präsidenten eignen könnte. Sozusagen als dumm-dämliche Blaupause für das, was wir in deutschen Qualitätsmedien regelmäßig lesen, sehen und hören müssen. Continue reading „Trump und die stillenden Mütter“

Zurück auf Augenhöhe

Politische Realität ist keine Wahrheit. Sie ist das Resultat einer ganzen Reihe von Interpretations- und Erfahrungsmustern, von Überzeugung und Misstrauen, Zustimmung und Ablehnung. Die politische Realität des einen kann daher völlig konträr zu der des anderen sein. Besonders eindrücklich zeigt sich das an der aktuellen Migrationsdebatte.
Wo beginnt Rassismus? Wieviel Zuwanderung ist zu viel Zuwanderung? Ist der Islam mit demokratischen Grundwerten vereinbar? Und was wiegt mehr, die Bringschuld der Ankommenden oder die Verantwortung der Aufnehmenden? Eine kleine Auswahl großer Fragen, mit denen sich der politische Mensch von heute konfrontiert sieht. Fragen allerdings, auf die es keine absolute Antwort gibt. Daher brauchen wir den Diskurs und für den Diskurs brauchen wir die Sprache.
Allerdings lässt sich zunehmend beobachten, dass Sprache in der politischen Auseinandersetzung gelöst wird von ihrem ursprünglichsten Zweck, der Vermittlung zwischen Sender und Empfänger – und zum Instrument wird, um den politischen Gegner von Grund auf abzuwerten. Continue reading „Zurück auf Augenhöhe“

Schwedische Iranerin will Israelis deportieren lassen

Eine Kandidatin für die schwedischen Parlamentswahlen hat vorgeschlagen, Israels Juden in die Vereinigten Staaten zu deportieren, um Frieden zu schaffen. Oldoz Javidi machte ihren Vorschlag in einem Interview, bat anschließend jedoch darum, die Äußerung zurückziehen zu dürfen, da sie ‚missverstanden‘ werden könne. Javidi ist eine Schauspielerin mit iranischem Hintergrund und kandidiert für die Partei Feministische Initiative. Mehr dazu hier und hier.