Annotare heißt „mit Anmerkungen versehen“. Ich bin so frei.


TAGEBUCH


7. Juni 2018: Ich bin heute über einen Text von Heribert Prantl gestolpert, in dem der SZ-Mann schon das Ende der Menschenrechte herbeischreibt, weil an den EU-Außengrenzen künftig mehr Klarheit über die Ankommenden geschaffen werden soll. Zu lesen hier. Was Prantl im Text recht pathetisch „Anti-Flüchtlings-Pläne“ und „Zurückweisungspolitik“ nennt, ist bei genauerer Betrachtung eigentlich nichts weiter als der Versuch, etwas Kontrolle zu bekommen, wo zuletzt 2015 extremes Chaos herrschte. Etwa, indem man frühzeitig feststellt, mit wem man es zu tun hat, oder eben stärker auf Hilfe bzw. Erkenntnisse vor Ort setzt. Dennoch beschwört Prantl – verklausuliert und hochgestochen wie er sich selbst gerne liest – gekonnt die beliebte Mär von der Festung Europa. Ehrlich gesagt: Ich habe im gesamten Text kein einziges Argument gefunden, nur eine ganze Reihe simpler, von sehr viel Pathos getragener Botschaften, die nicht gerade zu einer konstruktiven Debatte beitragen. Aber beurteilen Sie selbst…


6. Juni 2018: Die Süffisanz mit der über Gauland und den Klau seiner Badesachen geschrieben und gespottet wird, illustriert sehr gut den mangelnden Anstand, an dem unsere Gesellschaft mitunter leidet.


4. Juni 2018: Wegen exander Gaulands „Vogelschiss“-Zitat vom Wochenende sind immer noch alle aus dem Häuschen. Zahlreiche Artikel und Meinungsbeiträge wurden veröffentlicht, weitere werden folgen. Und ich frage mich, warum ganz Mediendeutschland Mal wieder über einen dummen Satz schreibt und diskutiert, statt über die wirklich wichtigen Themen. Ist es nicht längst kalter Kaffee, dieses Provokations-Empörungs-Muster, das mit jeder – mal mehr, mal weniger – umstrittenen AfD-Äußerung einhergeht?

Einmal mehr führen wir also eine reine Formulierungs-, keine Sachdebatte. Und auch dieses Mal werden wir – sobald wieder Ruhe einkehrt – keinen Schritt weiter sein. Denn statt über das Unsinnige, das Empörende zu diskutieren, sollten wir uns lieber dem Sinnigen, dem Konstruktiven widmen. Anlässe gäbe es genug.
Wann genau sind wir eigentlich in diese banalen Untiefen gestürzt, die mittlerweile Tag ein, Tag aus in meinen Newsfeed gespült werden? Auf Twitter antwortete mir jemand: „Aber, wenn man sich über sowas nicht mehr empört…ist das doch viel schlimmer. Oder?“. Ist es nicht. Denn ein kluger Erwachsener, der ernsthaft an gesellschaftspolitischen Debatten interessiert ist, sollte überhaupt nicht „empört“ sein. Er sollte klare Kante zeigen, ja, aber seine Argumente und Gegenargumente überzeugend und stichhaltig darlegen können. Und vor allem sollte er in der Lage sein, sich nicht ständig aufs Neue von irgendwem oder irgendwas provoziert zu fühlen. Übrigens: Herr Gauland distanziert sich nun selbstredend – und findet Mal wieder, er sei bewusst falsch verstanden worden.

P.S. Falls jemand noch auf der Suche nach wichtigeren Themen ist, der findet zum Beispiel hier eines. Und hier.


1. Juni 2018 (Nachtrag): In Bayern tritt der Kreuz-Erlass in Kraft und das Bundesverwaltungsgericht beschließt, dass eine Zweitehe keine Einbürgerungs-Hürde ist. Auch eine verschwiegene Zweitehe nicht. Genau mein Humor.


1. Juni 2018: Im Namen des Vaters, des Söders und des heiligen Geistes
Heute tritt in Bayern der Kreuz-Erlass in Kraft, obwohl „Kreuzigungs-Erlass“ viel schöner klingt. Spiegel Online schreibt hierzu: „Wen betrifft der Kreuz-Erlass? Sämtliche Behörden des Freistaats Bayern, also zum Beispiel Ministerien, Polizeireviere, Bauämter oder Gerichtsgebäude. Insgesamt geht es um über tausend sogenannte Hauptdienststellen. Ämter der Kommunen, Bezirke oder Landkreise sind nicht betroffen, genauso wenig Bundesbehörden in Bayern.“ Doch jetzt kommt’s: „Gibt es Ausnahmen? Für Theater, Opernhäuser und Museen gilt die Kreuzverordnung lediglich als Empfehlung, sie muss nicht zwingend befolgt werden.“ Das Kreuz als Symbol unserer christlich geprägten Kultur aufzuhängen, wird unseren links geprägten kulturellen Einrichtungen also nur empfohlen. Dabei ließe sich der Antichrist dort doch flächendeckend austreiben.


30. Mai 2018: Terror-Aktivisten
ZEIT Online schrieb in einem Tweet von „Aktivisten“, die Israel mit Granaten beschießen. Mittlerweile hat sich die Redaktion – ebenfalls auf Twitter – entschuldigt und aus „Aktivisten“ lieber „militante Palästinenser“ gemacht. Löblich! Wo kommen wir denn hin, wenn DIE ZEIT plötzlich Butter bei die Fische gibt und ihre stramme redaktionelle Linie derart auf Twitter rausposaunt. Lieber wieder etwas weniger offensichtlich. Ist doch linker Qualitätsjournalismus.


29. Mai 2018: Nichts hat sich verändert
Meine bisher letzten Beiträge stammen noch aus dem August 2017, dann wurde es einige Monate still auf diesem Blog. Damals schrieb ich über das Wahlverhalten der Russlanddeutschen – das vielfach in Richtung AfD tendiert – und die, Sie ahnen es, Anfeindungen der angeblich Bunt-Toleranten. Ebenso über die deutschen Hochschulen, die anno dazumal echte Bildungseinrichtungen für selbstständiges Denken waren, also angeblich, aber seit geraumer Zeit zu ermüdend-eindimensionalen Gesinnungseinrichtungen verkommen. Zeitweise dachte ich, nach den Bundestagswahlen könnte es ruhiger werden um die AfD und anderes, die politischen Debatten gar ein wenig enthysterisiert werden. Nur ein bisschen. Doch nichts hat sich verändert. Im politischen Diskurs jedenfalls nicht.
Deutschlands berühmtester Irokesenmann redet und schreibt heute den gleichen Unsinn wie im August 2017. Die FAZ verabschiedet sich weiter von ihrem ehemaligen Stammpublikum und verwechselt nun – ähnlich der Süddeutschen Zeitung – auch schon Skepsis mit Ablehnung, Religionskritik (von „Westeuropäern“) mit der Ablehnung quasi aller Menschen aus dem afrikanischen und arabischen Raum sowie die klare Betonung eigener Werte und Normen mit der totalen Diskriminierung anderer Lebensentwürfe. Zu überfliegen hier. Und die 25.000 oder mehr, die in Berlin am Wochenende gegen die AfD demonstriert haben, stören sich nach wie vor nicht an den linken und linksextremen Gewalttätern in ihren eigenen Reihen. Lustig nur dieser Tweet der Amadeu-Antonio-Stiftung:

Ansonsten – auch wenn es schon etwas her ist – haben ein handvoll prominenter Unterzeichner die „Erklärung 2018“ als Petition auf den Weg gebracht. Ein Dossier von der Achse des Guten ist hier zu finden, die Petition mit der Nummer 79822 hier.
Und weil sich nichts verändert hat, sich aber vieles tut, schreibe ich an dieser Stelle künftig wieder öfter. Weniger in ganzen Beiträgen, mehr in Nuancen, in kurzen bis mittellangen Einträgen. Das spart Zeit für größere Projekte, die schon zu lange auf ihre Umsetzung warten.


Ältere Beiträge finden Sie unter Meinungsbeiträge


 

 

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