Mit Rechten spielt man nicht

Eigentlich wollte es der SWR halten wie 2011, auch damals lud man zur „Elefantenrunde“ nicht nur die vier Landtagsparteien ein, sondern nach bestimmten Kriterien – etwa Umfragewerte – auch Vertreter anderer Parteien, die den Einzug in den Landtag schaffen könnten. Nunja, eigentlich. Denn fünf Jahre sind seitdem vergangen – und im Ländle wird das nächste traurige Kabinettstückchen aufgeführt. Dieses Mal unter der Regie des SWR.

Damals, also 2011, gab es die Alternative für Deutschland (AfD) noch gar nicht in ihrer heutigen Form. Pegida hätte noch als Entengericht beim Chinesen des Vertrauens durchgehen können, Flüchtlinge war noch kein Sammelbegriff für alle Einwanderer, die nach Deutschland kommen, und Angela Merkel saß noch ganz entspannt im Chefsessel. Die Schlagbegriffe hießen Arabischer Frühling, Fukushima, Euro-Krise und Guttenberg-Affäre. Na gut, also nicht komplett entspannt im Sessel, aber zumindest gefestigter als mittlerweile.

Rechte sind bäh! 

Eigentlich wollte es der SWR halten wie 2011. Doch da spielten Grüne und SPD nicht mit. Man ließe sich nicht erpressen, ließ SWR-Intendant Boudgoust umgehend verlauten, aber dennoch habe man mit „zusammengebissenen Zähnen“ getan, was  verlangt wurde. Per Definition eigentlich Erpressung. Schließlich drohten Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Nils Schmid (SPD) einfach nicht zu erscheinen, wenn die AfD auch dabei sein darf: Mit den Rechten spielt man nicht! Die sind bäh!  

Dass sich innerhalb von drei Tagen zuerst der WDR, dann der SWR zur Zielscheibe neuer Vorwürfe von Rechts (Lügenpresse und so) machen, das ist schon etwas Besonderes. Zog die WDR-Journalistin Zimmermann ihre Aussage von der tendenziösen Berichterstattung – wahrscheinlich auf Druck von oben – noch zurück wie ein geprügelter Hund, pardon, Hündin. So wird es beim SWR dann doch eindeutiger.

Wutwähler an der Urne

Zwar räumt man der AfD als Alternative ein Zehn-Minuten-Interview zu guter Sendezeit ein. Aber Tatsache ist auch, dass die vier Landtagsparteien in der Elefantentrunde nun seelenruhig gegen die AfD schießen können, weil ja niemand da ist, der sich verteidigen kann. Ist das noch demokratisch? Ich denke nicht.

Schließlich scheint es durchaus wahrscheinlich, dass die AfD in den Landtag einziehen wird. Spannend wird daher die Frage: Schadet der AfD der Ausschluss, oder gibt er ihr noch viel mehr Rückenwind, weil der ein oder andere – der bisher vielleicht nur mit der AfD liebäugelte – jetzt so richtig sauer ist, und deshalb erst recht sein Kreuzchen bei den Rechtskonservativen macht? Wutwähler quasi. Den Grünen und der SPD wäre es eigentlich zu wünschen.

Außerdem, seien wir mal ehrlich, dürfte die Sendung ohne die polarisierende AfD, die wahlweise rechstradikal, rechtspopulistisch oder eurofeindlich sein soll, wohl nur halb so spannend werden. Selbst für die Grünen kommt nur Kretschmann, und der ist nun wirklich kein Hardcore-Öko-Antifa-Linker. Und die Linke darf ja auch nicht kommen. Immerhin da ist der SWR konsequent; konsequent langweilig.

Ein trauriges Kabinettstückchen 

Schmid und Kretschmann wurden natürlich ausgiebig dazu befragt, warum man nicht wenigstens mal mit den fremden Exoten, also der AfD, reden will. Überhaupt: Ist es nicht seltsam, dass die SPD doch eigentlich anderswo lautstark darauf pocht, sich dem Fremden nicht zu verschließen? Und wer integriert nun eigentlich die AfD? Schließlich ist die, so Schmid, „keine normale Partei“. Was wohl heißen soll, dass die SPD wahlweise normal, normaler oder die Norm sein soll. Da sind aber durchaus Zweifel angebracht.

Schließlich ist die SPD doch die Partei, die Thilo Sarrazin hervorgebracht hat und deren ehemaliger Kanzler sozusagen zu den Russen übergelaufen ist. Und vergessen wir mal den Edathy nicht. Oder meint Nils Schmid eigentlich, er sei normal, die Menschen von der AfD nur nicht? Und meint er jetzt alle von der AfD, also auch die Wähler? Oder sogar deren Ehepartner, Freunde, ihre Haustiere und Kinder? Ist auch egal.

Es ist und bleibt ein trauriges Kabinettstückchen, das die Grünen und die SPD im Ländle aufführen. Unter der Regie der Öffentlich-Rechtlichen, die sich – angeblich – nicht erpressen lassen. Fortsetzung folgt (ganz sicher)…

 

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